Immer mehr Lokalschließungen

Angst vor Strafen und Anzeigen haben vor allem Bars und Diskotheken.
© pixabay

Rauchverbot in der Gastronomie

Das generelle Rauchverbot ist nun seit knapp einer Woche in Kraft. Seit 1.November sind Österreichs Gastronomiebetriebe gezwungenermaßen qualmfrei – zur Freude der Nichtraucher, zum Schrecken der Lokalbetreiber. Neben Shisha-Bar-Besitzern, denen bislang ebenso keine Ausnahme zuteil wurde, fürchten auch Nachtlokalitäten um ihre Existenz.

Kritisch ist dabei die Lärmbelästigung für Anrainer. Gehen alle Gäste, die bis zum Inkrafttreten des Gesetzes drinnen geraucht haben, auf die Straße, steigt der Lärmpegel vor dem Lokal voraussichtlich enorm. Die WKO informiert: „Rauchende Gäste vor der Betriebsanlage können zu einer Vorverlegung der Sperrstunde führen, wenn Anrainer durch das Verhalten der Gäste unzumutbar belästigt werden. […] Neben der Vorverlegung der Sperrstunde aufgrund der Gewerbeordnung können lärmende Gäste auch zu zivilrechtlichen Ansprüchen der Anrainer gegen den Betreiber führen.“ Dazu kommen saftige Strafen von 800 bis 10.000 Euro – das ist vielen Lokalbesitzern zu haarig. Sie ziehen lieber gleich die Reißleine.

Das Tanzen hat ein Ende

Aus Protest versperrte das Kultlokal Raymond’s in der Stumpergasse bereits im Oktober seine Türen. Das Beisl wurde in den 1990er-Jahren eröffnet. Eigentümer Markus Alzinger kündigte mit einem Zettel an der Tür an abzuwarten, „bis die Regierung eine für uns Wirte akzeptable Lösung gefunden hat.“

Auch in der Wiener Freiheit, einem Schwulen-, Lesben- und Transgenderclub, der seit Jahrzehnten vom Verein für freie Lebensgestaltung betrieben wurde, hat es sich ausgetanzt. Aus Angst vor einer Flut an Strafen und Anzeigen. Acht der Mitarbeiter sind somit ihren Job los – und die LGBTIQ-Community eines ihrer ohnehin eher kargen Unterhaltungs-Angebote in Wien.

Am Montag zog nun auch die erste große Diskothek die Reißleine. Besitzer Friedrich Greinecker-Hintenaus möchte noch bis 5. Jänner warten, ob sich an der Gesetzeslage etwas ändert, ansonsten werde er das „Go-In“ in Finklham mit diesem Tag zusperren – ausgerechnet am 48. Geburtstag seines Bestehens.

„Jede Betriebsschließung ist um eine zu viel“, klagt der Bundesobmann der Freiheitlichen Wirtschaft (FW) und WKÖ-Vizepräsident Matthias Krenn. Die Bilanz von massiven Umsatzeinbußen, Betriebsschließungen und damit Kündigungen der Mitarbeiter hält er für vernichtend. In Wien ging zumindest das erste rauchfreie Wochenende in der Gastronomie so gut wie ohne Verstöße über die Bühne. Bisher wurden 726 Lokale kontrolliert, in nur drei Fällen erstatteten die Behörden Anzeige wegen unerlaubten Rauchens. Bis Jahresende will das Wiener Marktamt aber noch rund 5.000 Kontrollen durchgeführt haben.

 

APA/red

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