Reitsaal der Hofburg im Schatten neuer Vorwürfe

Der Geschäftsführer der Spanischen Hofreitschule wurde wegen mutmaßlicher Unregelmäßigkeiten bei Spesenabrechnungen angezeigt.

05.08.2025 15:46
Redaktion
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Spanische Hofreitschule, Wien

Die Spanische Hofreitschule – Wahrzeichen der klassischen Reitkunst und Tourismus-Magnet in der Hofburg – steht erneut im Fokus öffentlicher Debatten: Der Geschäftsführer wurde wegen mutmaßlicher Unregelmäßigkeiten bei Spesenabrechnungen angezeigt. Der mögliche Schaden soll über 15.000 Euro liegen.

Nach Hinweisen auf Unregelmäßigkeiten während Dienstreisen beauftragte das zuständige Landwirtschaftsministerium im Frühjahr 2025 eine interne Revision. Diese habe die Verdachtsmomente erhärtet – die gesetzlich vorgeschriebenen Schritte zur Anzeige bei der Staatsanwaltschaft und zur Information des Aufsichtsrats wurden eingeleitet (News.at).

Der beschuldigte Alfred Hudler – laut eigener Aussage bis dato ohne Kenntnis über einen Abschlussbericht der Ministeriumsrevision – weist die Vorwürfe im Standard entschieden zurück (Krone) und betont, sich „keines unkorrekten Verhaltens“ bewusst zu sein. Die weiteren Schritte liegen nun bei der Staatsanwaltschaft und dem Aufsichtsrat.

Beruflicher Hintergrund mit Gastro-Bezug

Hudler war in führenden Positionen der Getränke- und Gastronomiebranche tätig – etwa als Vorstand bei Vöslauer und Ottakringer AG. Er brachte damit gezielt Betreiber-Kompetenz in die Hofreitschule, um Verluste auszugleichen und touristische Potenziale stärker zu heben (Die Presse). Sein beruflicher Werdegang zeigt den engen Bezug zu Hotellerie und Gastronomie.

Ein Blick zurück: Tradition mit Schatten

Die Hofreitschule ist kein unbeschriebenes Blatt, wenn es um Vorgänge von öffentlichem Interesse geht. Bereits Anfang 2022 stand der Aufsichtsratsvorsitzende im Zentrum einer Untreue-Ermittlung: Er soll einen Lipizzaner auf Kosten der Institution privat ausgebildet haben – damals wurden Verfahren gegen mehrere Beteiligte geführt, ohne dass Namen veröffentlicht wurden.

Schon damals zeigte sich: Die enge Verbindung von staatlichem Kulturerbe und wirtschaftlichem Betrieb birgt Risiken. Werden Spesenabrechnungen in Zweifel gezogen, reagieren Eigentümer und Aufsichtsgremien in der Regel mit klaren Maßnahmen. Dass es im aktuellen Fall nicht zu einer internen Klärung kam, sondern zur Anzeige, verdeutlicht den Willen des Eigentümers, die Angelegenheit extern prüfen zu lassen.

Zwischen Kulturerbe und Kontrolle

Die Spanische Hofreitschule pflegt eine über 450-jährige Geschichte, habe aber in den vergangenen Jahren auch finanzielle Herausforderungen erlebt: In Zeiten der Pandemie etwa unterstützte der Bund mit Förderungen in zweistelliger Millionenhöhe (trend.at).

Mit der aktuellen Anzeige erhält das Thema Compliance in kulturellen Einrichtungen eine neue Dringlichkeit.

(red)

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