„Wir sind ein Restaurant, kein Lazarett“

Keine Freude mit Ad-hoc-Eintrittstests in Salzburg
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Salzburgs Gastronomen erhoffen sich baldige Lockerungen.

Ab Mittwoch dürfen Salzburgs Wirte und Hoteliers wieder aufsperren. Betriebswirtschaftlich dürften die ersten Wochen allerdings schwierig werden. Das zeigte ein APA-Rundruf bei einem halben Dutzend Betrieben. Die Unternehmer befürchten, dass die Beschränkungen nach einem ersten Hoch Gäste eher abschrecken als anlocken würden. Darum hoffe die Branche auf baldige Lockerungen. Gute Aussichten gibt es für die Ferienhotellerie am Land.

Stimmen aus der Branche

„Wir sind schon relativ voll, aber nicht bis zum Anschlag. Aber bei uns reservieren die Leute recht kurzfristig“, sagte Alexander Weitlaner vom Hammerwirt in Oberalm unweit von Salzburg. „Wir haben viele große Tische im Lokal. Wenn das Wetter nicht mitspielt und die Gäste nicht draußen sitzen können, wird uns die Vier-Personen-Regel vor Herausforderungen stellen.“ Der Gastronom hat mit seinen Geschäftspartnern den Hammerwirt nach dem ersten Lockdown neu übernommen. Weitlaner zeigt sich skeptisch. Er befürchte, dass man erneut zusperren müsse. Außerdem würde es ein bisschen ruhiger werden, da viele finanziell nicht mehr so dastehen würden wie vor der Pandemie. Man habe ein paar Test-Kits bestellt, sollten Gäste darauf vergessen haben sich privat zu testen. Werbung dafür machen, wolle man aber nicht.

Auch andere Wirte haben keine Freude mit dem einmal gültigen Schnelltest. „Wir sind ein Restaurant, kein Lazarett“, sagte Karl Obauer, der mit seinem Brude Rudi in Werfen ein Restaurant betreibt. „Wir bieten diese Möglichkeit zwar an, aber uns ist es lieber, wenn jeder sein eigenes Testergebnis mitbringt.“ Es sei ein gutes Gefühl wieder aufsperren zu dürfen. Auch das ans Restaurant angeschlossene Hotel sei gut gebucht.

Silvia Löcker vom Johanneskeller in der Stadt Salzburg sagte, dass vor allem Stammgäste die ersten Tage reserviert haben. Man könne aber erst in zwei Wochen sagen, ob die Leute dann noch immer so heiß aufs vorher testen sind. Danach könnte beides passieren: „Entweder Ansturm oder tote Hose“. Betriebswirtschaftlich lohnen werde sich das Öffnen wohl erst, wenn die Grenzen nach Österreich wieder offen sind. Touristen wären für das Geschäft wichtig. Ad-hoc-Tests bietet der Betrieb nicht an. „Das stiftet nur Chaos. Wir können es uns nicht leisten, dafür jemanden abzustellen.“

Der Wirt Harald Kratzer hofft auf rasche Lockerungen. Er betreibt die Braugaststätte „Sternbräu“. „Die Auflagen sind hoch: Reintesten, Kontrolle, Registrierung per App oder mit Zetteln, Maske.“ Besonders „happig“ sei der geltende Mindestabstand, der sich gegenüber dem Vorsommer von einem auf zwei Meter verdoppelt habe.“ Laut Kratzer sei der Mindestabstand in seinem Betrieb fast nicht einhaltbar. Man würde damit die Hälfte der Sitzplätze verlieren. Der Wirt rechnet damit, dass man bestenfalls 60 Prozent der Plätze besetzen könnte.

„In der Ferienhotellerie ist ein guter Sommer zu erwarten, vor allem wenn Grenzöffnungen weiter voranschreiten“, erklärte Georg Imlauer, Hotelier und Obmann der Fachgruppe Hotellerie in der Wirtschaftskammer Salzburg. Schwierigkeiten soll es laut seiner Prognose für die Stadthotellerie geben. Eine kleine Hoffnung gibt der Festspieltourismus. Sonst wären die Buchungen eher verhalten. Imlauer rechnet mit einer 30-prozentigen Auslastung der Hotels in der Stadt Salzburg zwischen Mai und Juni. Für die betriebswirtschaftliche schwarze Null bräuchte man aber eine Auslastung von 50 Prozent. Imlauer hofft auf eine Entschädigung für den Rest des Jahres, vor allem aber auf eine Verlängerung der Kurzarbeit. Vor 2022 werde die Stadthotellerie nicht zu alter Stärke zurückfinden, sagt der Kammerfunktionär. Zugleich dürfte sich das Reiseverhalten nach der Pandemie verändern. Kongresse oder Incentiv-Reisen werden wohl kleiner werden und verstärkt digital stattfinden. Imauer hofft auf Lockerungen bis zum 1. Juli. „Wir sehen das jetzt als eine kurze vorübergehende Übergangszeit.“ Die Ängste von Beherbergungsbetrieben, nicht genügend Eintrittstest-Kits zu bekommen, zerstreute er. „Die Tests sollen heute und am Dienstag in den Impfstraßen kostenlos abgeholt werden können.“

APA/red

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