Wintertourismus im Klimawandel

Schneegrenze verschiebe sich ohne Klimaschutz nach oben
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Der Wintertourismus stehe vor großen Herausforderungen, so der Tenor der Teilnehmer an der ORF-Sendung „Im Zentrum“. Unbestritten sei der wirtschaftliche Faktor des Wintertourismus. So sei der österreichische Tourismus direkt und indirekt für 330.000 Vollzeit-Arbeitskräfte verantwortlich, merkte Anna Burton, Ökonomin des Österreichischen Wirtschaftsforschungsinstituts (WIFO), an.

Im Zuge des Klimawandels sei mit einer Verkürzung der Ski-Saison ebenso zu rechnen wie mit einer Verschiebung der Schneegrenze, ergänzte Burton. Derzeit sei eine Schneesicherheit ab 1.500 Meter gegeben. Ein Temperaturanstieg um ein Grad verschiebe die Schneegrenze um 150 Meter nach oben – und 70 Prozent der Skiregionen würden unter 1.700 Meter liegen, so Burton.

Stefan Kaineder, Bundessprecher-Stellvertreter der Grünen und oberösterreichischer Landesrat, merkte an, dass etwa am Feuerkogel auf 1.600 bis 1.700 Meter Höhe am 2. Jänner mit 13 Grad Celsius nahezu sommerliche Temperaturen geherrscht hätten. Er sprach sich in der Diskussion dagegen aus, Wintersport-Projekte in niedrigen Lagen – etwa von 700 bis 1.000 Meter Höhe – zu realisieren. Schließlich seien diese nicht zukunftssicher. Das Geld sollte besser in den Klimaschutz investiert werden, damit auch kommende Generationen Wintertourismus genießen könnten.

Auch für Lisa Panhuber, Konsum-Expertin von Greenpeace, besteht die einzige Chance im effektiven Klimaschutz. Wobei sie auch mit dem Individualverkehr – der Großteil der Winter-Touristen komme mit dem Auto – argumentierte.

Dennoch sei der Wintertourismus umweltfreundlich, warf Franz Hörl, Tourismussprecher im ÖVP-Parlamentsclub, ein. Die An- und Abreise verursache rund die Hälfte der CO2-Emissionen, rund 32 Prozent entfielen auf die Beherbergung und nur 18 Prozent auf den Ski-Sport. Zudem sei der Anteil der erneuerbaren Energie in den vergangenen Jahren deutlich erhöht worden. Neben Photovoltaik-Anlagen seien auch Windkraft-Anlagen geplant. Statt dem „Flug zum Schnee“ werde die Anreise mit dem Zug in den Vordergrund gestellt. Lediglich 6 Prozent der Winter-Urlauber würden mit dem Flugzeug anreisen. Den Anteil von 4 Prozent der Bahnreisenden wolle man erhöhen. Hörl verwies auf Hotels, die Bahnreisenden 5 Prozent Rabatt gewähren.

Die klimatische Entwicklung aber auch die Inflation verteuere den Winterurlaub, ergänzte Burton. Daher könnten sich viele den Winterurlaub nicht mehr leisten. Zudem sei die Anreise zu den Ski-Gebieten oft deutlich länger als früher. So würden 62 Prozent der Österreicher nicht mehr Ski fahren, sagte Burton.

Für Ex-Skirennläuferin Michaela Dorfmeister eine bedauernswerte Entwicklung: Kinder und Jugendliche müssten gratis Ski fahren können. Hörl verwies auf zahlreiche Angebote in verschiedenen Ski-Orten. Schließlich seien Kinder die künftigen Urlauber.

APA/Red.

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