Tourismus-Stimmung im Keller

Unternehmensberater Deloitte und Hoteliervereinigung: Branche rechnet bis Sommer 2021 mit weiterer Verschlechterung der Lage.
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Die Coronavirus-Pandemie hat dem Tourismus heuer einen kr√§ftigen D√§mpfer versetzt. Bei den Unternehmen grassieren vielfach Existenz√§ngste. Die Stimmung ist massiv getr√ľbt. Die heimischen Betriebe blicken pessimistisch in die Wintersaison, wie die Branchenstudie “Tourismusbarometer 2020” des Beratungsunternehmens Deloitte und der √Ėsterreichischen Hoteliervereinigung verdeutlicht, welche die Angaben von 400 heimischen Touristikern heranzieht.
Der von der Regierung in Aussicht gestellte Umsatzersatz f√ľr den Monat November sei “ein wichtiger erster Schritt, um den zweiten Lockdown zu √ľberstehen”. Weitere Corona-Hilfspakete m√ľssten aber folgen, denn sie reichten nicht aus, hei√üt es aus der Branche. “Um die kommenden Monate zu √ľberleben, braucht es ma√ügeschneiderte Zusch√ľsse f√ľr Tourismusbetriebe – der j√ľngst ins Leben gerufene Umsatzersatz von bis zu 80 Prozent (f√ľr den Lockdown-Monat November, Anm.) ist hier eine gute Soforthilfe, mittelfristig wird es aber weitere Zusch√ľsse zur Abfederung der Krise brauchen”, so Andreas Kapferer, Partner bei Deloitte Tirol.

Vor allem in den Städten herrscht Pessimismus

Die Grundstimmung ist der Erhebung zufolge jedenfalls im Keller – der Tourismusindex sei – basierend auf dem Schulnotensystem – von 2,88 auf 3,61 gesunken. Vor allem in den St√§dten bef√ľrchten 94 Prozent der Touristiker weitere massive Umsatzr√ľckg√§nge. Generell erwarten mehr als 75 Prozent der im September Befragten bis Sommer 2021 eine weitere Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage.
Die heurige Sommersaison verlief √§u√üerst uneinheitlich. Auffallend sind die gravierenden Unterschiede zwischen Stadt und Land: F√ľr mehr als die H√§lfte (56 Prozent) der st√§dtischen Touristiker war die Saison sogar schlechter als erwartet. Hingegen wurden die Erwartungen der Betriebe am Land in 70 Prozent der F√§lle √ľbertroffen. Auch ein Bundesl√§ndervergleich verdeutliche diese Diskrepanz: Wien beurteilt die aktuelle wirtschaftliche Lage des Tourismus mit einem “Nicht gen√ľgend” (95 Prozent), K√§rnten vergibt daf√ľr ein “Sehr gut” bis “Gut” (71 Prozent).
“Die schlechte Stimmung in den St√§dten spiegelt sich im Blick auf die Wintersaison wider: 94 Prozent der Stadtbetriebe f√ľrchten weitere Umsatzr√ľckg√§nge von √ľber 20 Prozent im Vergleich zum vorigen Winter, viele sogar einen Totalausfall”, verdeutlicht Kapferer. Au√üerhalb der St√§dte teilten diese Sorge 53 Prozent der Befragten.
Infolge der Coronakrise haben sich die Herkunftsm√§rkte stark ver√§ndert: √Ėsterreichische G√§ste gewinnen an Bedeutung, w√§hrend Touristen aus Fernm√§rkten und Gesch√§ftsreisende ausbleiben, wie auch die aktuelle Branchenstudie belegt. “Zwei Drittel der Betriebe versuchen darauf mit einer √Ąnderung des Angebots zu reagieren. Das reicht von neuen Buchungsbedingungen wie k√ľrzeren Stornofristen √ľber neue Zusatzangebote bis hin zur Schlie√üung von Sauna- oder Fitnessbereichen”, berichtet die Pr√§sidentin der Hoteliervereinigung (√ĖHV), Michaela Reitterer. Dennoch blieben die Existenz√§ngste: Sollte der aktuelle Lockdown auf √ľber drei Monate verl√§ngert werden, w√ľrde dies laut Umfrage das Ende f√ľr mindestens ein Drittel der befragten Tourismusbetriebe bedeuten.

Ausgabebremse und Sparmaßnahmen

Wegen der Ungewissheit √ľber die weiteren Entwicklungen treten viele Unternehmen auf die Ausgabenbremse und versuchen zu sparen. Die Regierung versuche hier mit Investitionsanreizen gegenzusteuern. Die Investitionspr√§mie wurde den Angaben zufolge bereits von 18 Prozent der Befragten in Anspruch genommen, 41 Prozent haben das noch vor. Doch der Erhebung zufolge investieren derzeit nur 25 Prozent der Betriebe nach Plan. Zwei Drittel fuhren ihre urspr√ľnglich f√ľr 2020/21 geplanten Investitionen zur√ľck.
“Die Investitionsbereitschaft im Tourismus ist seit Beginn der Coronakrise sehr verhalten – dennoch: Die bisherigen √∂ffentlichen Hilfen sind bei den Unternehmen angekommen und haben Schlimmeres verhindert”, stellte Steuerexperte Kapferer fest. Auch bei der Verf√ľgbarkeit von Mitarbeitern habe sich die Lage ver√§ndert. Im September suchte die H√§lfte der Betriebe nach Fachkr√§ften, im Vorjahr waren es noch drei Viertel gewesen. Der Bedarf an Mitarbeitern ist w√§hrend der Krise gesunken. Die Unsicherheit f√ľr die n√§chsten Monate erschwere die Personalplanung massiv. “Die Lage ist prek√§r”, so Reitterer. “Jetzt braucht es einen langfristigen Schutzschirm, um m√∂glichst viele Betriebe und Mitarbeiter √ľber die n√§chsten Monate zu bringen.”
 

APA/Red

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