Nachtgastronomie warnt vor Kündigungswelle

Verbandsobmann Ratzenberger kritisiert wegen der mangelnden Hilfe zwei Minister.
© Praterstraße/Mato Johannik

Innenansicht der Multi-Channel-Bar „Praterstraße“

Die Nachtgastronomie leidet weiter besonders stark unter der Coronakrise und aus ihrer Sicht mangelnden Hilfen. „Finanzminister Blümel hat zwar eine 100-prozentige Abdeckung der Fixkosten angekündigt, Modalitäten fehlen aber weiter“, kritisierte der Obmann des Verbandes Österreichischer Nachtgastronomen (VÖNG), Stefan Ratzenberger, am Mittwoch (19.8.) gegenüber der APA. Es drohe bald eine Kündigungswelle.

Von den 2.900 Unternehmen der Gastronomie haben Ratzenberger zufolge 15 bis 20 Prozent wegen der Coronaauflagen gar nicht offen, der Rest öffne mit hohen Einbußen bis zur erlaubten Sperrstunde von 1 Uhr in der Früh. Würde man nur den 15 bis 20 Prozent eine gänzliche Fixkostenerstattung von Juni bis September zukommen lassen, „dann sind die Kosten mit 10 bis 15 Millionen Euro sehr überschaubar“, rechnete der Interessenvertreter der Nachtclubs vor. Die anderen Betriebe erhielten ohnehin die gestaffelten Hilfen je nach Umsatzausfall. Dass man die Fixkosten für nunmehr sechs Monate Corona-Sperre bzw. -Sperrstunde zurückbekommen wolle, so weit gehe man gar nicht.

Ratzenberger kritisierte neben der „leeren Ankündigung“ des ÖVP-Finanzministers Gernot Blümel auch den Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne), von dem man „nur mehr vertröstet“ werde. In einer ungewissen Zukunft für die Branche sei das „nicht akzeptabel“.

Als positives Beispiel nannte der Nachtgastro-Vertreter Italien. Dort habe es für die Diskotheken und Co ein Sofortpaket mit 100 Mio. Euro gegeben und die Hilfen, die die Fixkosten zur Gänze decken, würden unbürokratisch ausbezahlt.

Ratzenberger betont auch die Gesundheitsverantwortung, die auch bei den Nachtunternehmern liege und von ihnen auch getragen werde. „Kein Nachtgastronom wird die Gesundheit der österreichischen Bevölkerung aufs Spiel setzen und eine rasche Öffnung der Lokale fordern. Aber das wirtschaftliche Überleben muss gesichert werden.“ Einmal mehr daher die Forderung nach einem raschen Handeln der Bundesregierung. Ebenso ein weiteres Mal erinnerte Ratzenberger an eine steigende Zahl illegaler Partys, bei denen gar keine Coronaregeln eingehalten würden.

Wenn nun die neuen Kurzarbeitsregeln kämen, drohe eine Kündigungswelle, so Ratzenberger. Das prophezeite er für den Zeitpunkt, wenn die einmonatige Behaltefrist vorüber ist. Die Betriebe hätten die Mitarbeiter zuletzt aus Verbundenheit aber auch in der Hoffnung auf Hilfen der Politik behalten. „Aber so viel Inventur und Reinungsarbeiten kann man gar nicht mehr machen“, sagte Ratzenberger.

APA/red

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