Lebensmittelbranche in Bedrängnis

Besonders stark sind die Getränkehersteller sowie die Schweine- und Rinderbauern betroffen. Das Setzen auf Massentierhaltung rächt sich jetzt.
© Pixabay

Bei Rindfleisch fehle laut Branchenvertretern, die Gastronomie und Hotellerie als Abnehmer, denn Zuhause werde davon nicht so viel gekocht

Der aktuelle Corona-Lockdown setzt die heimische Lebensmittelbranche wirtschaftlich unter Druck. Der Gastronomie- und Hotellerie-Absatz ist komplett weggebrochen, auch die Exporte in die Nachbarländer sind gebremst. Besonders hart hat es die Getränkehersteller – u.a. die Brauereien -, das Lebensmittelgewerbe und die Schweine- und Rinderbauern erwischt.

Die Lebensmitteindustrie ist unterschiedlich stark betroffen. „Die Ausfälle betragen je nach Branche und der Bedeutung der unterschiedlichen Absatzkanäle (Anm. Lebensmitteleinzelhandel bzw. Gastronomie/Hotellerie/Tourismus) zwischen 20 und 60 Prozent“, sagte die Geschäftsführerin des WKÖ-Fachverbands Lebensmittelindustrie, Katharina Koßdorff. Es würden Grundnahrungsmittel und Fertigprodukte für den Lebensmitteleinzelhandel verstärkt nachgefragt, die Getränkebranche hingegen leide unter dem fehlenden Umsatz, da neben Gastronomie und Hotellerie auch alle Publikumsveranstaltungen im Bereich Sport, Kultur und Events gestrichen seien.

Auch die kleinen Bäcker, Fleischer und Konditoren sind vom Gastro- und Hotellerie-Lockdown betroffen. Betriebe, die stark vom Tourismus und Catering abhängig seien, würden „total in der Luft hängen“, sagte die Geschäftsführerin der WKÖ-Bundesinnung Lebensmittelgewerbe, Anka Lorencz. Für das Gewerbe bleibe nur der Thekenverkauf und die Privatkunden-Zustellung. Die Wirtschaftskammervertreterin fordert auch einen Umsatzersatz für die Gastro- und Hotellerie-Lebensmittellieferanten, weil dort der Absatz komplett weggebrochen sei. Auch der Verkauf auf Weihnachtsmärkten – etwa für Lebkuchenbäcker – würde heuer entfallen.

Landwirtschaft hart getroffen

Besonders hart trifft der aktuelle Lockdown in der heimischen Landwirtschaft die Rind- und Schweinebauern. Die mehrwöchige Schließung der Gastronomie- und Tourismusbetriebe im Großteil der Europäischen Union und auch in Österreich hat die Nachfrage und damit auch die Fleischpreise einbrechen lassen. Bei Rindfleisch fehle die Gastronomie und Hotellerie als Abnehmer, Zuhause werde davon nicht so viel gekocht, sagte der Abteilungsleiter „Tierische Erzeugnisse“ der Landwirtschaftskammer Österreich, Adolf Marksteiner. Beim zweiten Corona-Lockdown im Vergleich zum Ersten fehle diesmal der positive Ausblick für den Tourismus. In Krisenzeiten rächt sich aber auch die langjährig geförderte Massentierhaltung. Kleinbauern, die eine vielfältige Landwirtschaft betreiben, können Verluste bei Rind und Schwein durch andere Bereiche sicher leichter ausgleichen, als hochspezialisierte Betriebe mit Massentierhaltung.

Diese „relative Unsicherheit“ über die weitere Entwicklung der Coronapandemie in den nächsten Monaten zeige sich auch auf den Agrarmärkten, so der Landwirtschaftsexperte. „Es legt sich niemand Ware auf Lager, wenn er nicht weiß, wann er es braucht.“ Die Versorgungslage sei „reichlich, zu gedrückten und schlechten Preisen“, so der Landwirtschaftskammer-Vertreter. Gute Nachfrage gebe es aber beispielsweise bei Saisongemüse, Eiern und Martinigänsen.

Der Gastro-Lockdown betrifft auch den Lebensmittel-Zertifizierer Fairtrade. „Ein Drittel des Fairtrade-Kaffeeumsatzes wird in der Gastronomie gemacht“, sagte Fairtrade-Österreich-Chef Hartwig Kirner zur APA. Der Lebensmittelhandel mache beim Kaffeeabsatz aber die „Lockdown-Effekte“ in der Gastronomie mehr als wett. Insgesamt erwartet die Organisation trotz Coronakrise heuer ein Wachstum. Der Umsatz mit Fairtrade zertifizierten Produkten in Österreich lag im Jahr 2019 bei 351 Mio. Euro.

APA/red

Gefällt Ihnen der Beitrag?
Share on facebook
Facebook
Share on twitter
Twitter
Share on linkedin
LinkedIn
Share on telegram
Telegram
Share on whatsapp
WhatsApp
Share on email
Email