Frische Garnelen aus Oberösterreich

Drei Unternehmer bieten eine nachhaltige Alternative zu tiefgefrorener Ware aus Fernost.
© Pixabay

Garnelen – ein Leckerbissen in der gehobenen Gastronomie

Garnelen gibt es in Österreich überwiegend tiefgefroren aus Fernost oder Mittelamerika zu kaufen. Drei Unternehmer haben nun eine Garnelenfarm in Kremsmünster (Bezirk Kirchdorf an der Krems) gebaut und nun die ersten „White Tiger“ Riesengarnelen geerntet. Sie wollen damit eine nachhaltige Alternative anbieten, vor allem auch für die Gastronomie. Die Nachfrage sei sehr groß, erzählen die drei Betreiber im APA-Gespräch.

Es ist das zweite derartige Projekt in Österreich – das Unternehmen „Alpengarnelen“ aus Hall in Tirol war 2015 das erste. Und das dritte steht in den Startlöchern: Im steirischen Rottenmann wird gerade eine dritte derartige Anlage von der Flick’schen Forst- und Gutsverwaltung fertiggestellt – im September werde mit dem Verkauf gestartet. Eine Gefahr für ein zu großes Angebot an frischen Garnelen aus Österreich sehen die Betreiber nicht, die Nachfrage nach qualitativ hochwertiger Ware sei da.

In Oberösterreich habe es bei „Kremstal Garnelen“ von der ersten Idee bis zum ersten Verkaufstag zweieinhalb Jahre gedauert, erzählt Ulrich Weiss im Gespräch mit der APA. Der studierte Biologe habe „immer schon einen Vogel gehabt, was Wasser anbelangt“ und Süßwasserkunde studiert. Nach der Uni hat es ihn in die Nahrungsmittelindustrie verschlagen und die Beschäftigung mit Aquarien wurde zum Hobby. Die Inbetriebnahme der ersten Garnelenzucht in Österreich in Hall in Tirol hat Weiss auf den Geschmack gebracht. Mit seinem Schwager in spe, Andreas Reckenzain, der Wirtschaftsrecht studiert hatte, und seinem Nachbarn, Landwirt Günther Mörtenhuber, der die Infrastruktur – eine 300 Quadratmeter große Halle – zur Verfügung gestellt hat, wurden die „perfekten Partner“ gefunden.

Ziel sei es, eine nachhaltige, regionale und frische Produktion in der Region aufzuziehen: „Die Ware aus Fernost oder Mittelamerika hat immer einen fahlen Beigeschmack.“ Bei der eigenen geschlossenen Warmwasser-Kreislaufanlage gebe es nur einen sehr geringen Wasser- sowie Wärmeverbrauch und aufgrund des Einsatzes von biologischen und Sedimentations-Filtern brauche es keinerlei Antibiotika, Medikamente oder andere Zusatzstoffe. Die Tiere werden bei 29 Grad Wassertemperatur gehalten und brauchen fünf Monate, bis sie das Erntegewicht erreicht haben. Die Jungtiere kauften die Betreiber aus Kremsmünster bisher aus Florida. Es gebe aber mittlerweile diesbezüglich einige Entwicklungen in Europa und man hoffe darauf – oder auch auf die Jungtiere der Garnelenzucht in Rottenmann – künftig zurückgreifen zu können. Aktuell werden nur einige wenige hundert Kilo Garnelen produziert, bis 2021 wolle man die mögliche Kapazität von bis zu drei Tonnen jährlich erreichen. „Wir müssen die Menge langsam erhöhen, damit wir den Biofilter nicht überfordern.“

Die drei haben bisher „einen sechsstelligen Betrag“ investiert und eine Leader-Förderung bekommen. Die Tiere werden auf Bestellung im eigenen Hofladen verkauft, ein Kilo kostet 64 Euro. Ab November wolle man auch einen Versand anbieten. Die Garnelenzucht wird aktuell noch im Nebenerwerb betrieben. Um davon leben zu können, brauche es eine Kapazität von jährlich zehn Tonnen: „Das ist ambitioniert, aber sehr wohl ein Ziel – wichtig ist uns aber, dass wir eigenständig bleiben und uns von keinen Investoren reinfunken lassen.“

Die Grenze von zehn Tonnen hat das Unternehmen „Alpengarnelen“ aus Hall in Tirol, das 2015 die erste Garnelenzucht in Österreich gestartet hatte, mittlerweile erreicht. Gestartet wurde mit jährlich 200 bis 300 Kilo, Anfang 2019 wurde eine erweiterte Anlage mit einer Kapazität von bis zu 15 Tonnen in Betrieb genommen. Angesprochen auf die neue Konkurrenz sagt Mitbegründer Daniel Flock im APA-Gespräch: „Die Nachfrage nach qualitativ hochwertigen Garnelen ist da, eine Zusammenarbeit macht sicherlich Sinn.“

Auch Garnelenzucht in Rottenmann (Steiermark)

In Rottenmann werde mit dem Verkauf der Garnelen im September begonnen, heißt es von den Betreibern. Sie wollen jährlich 60 Tonnen frische Garnelen produzieren und im Unterschied zu den im Vergleich viel kleineren Mitbewerbern haben sie auch eine Brutzuchtanlage. Maternus Lackner von der Flick’schen Forst- und Gutsverwaltung sieht für alle Garnellenproduzenten in Österreich genug Markt: „Aktuell werden jährlich 6.000 Tonnen gefrorene Garnelen importiert.“

APA/red

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