Eurowings verlagert Flieger nach Malta

Billigschiene der Lufthansa folgt dem Beispiel von Ryanair
@ Pixabay

Komplexe Abrechnungen als Begr√ľndung genannt – Gewerkschaft vida warnt vor Sozialdumping

Eurowings macht es nun dem Konkurrenten Ryanair gleich und gr√ľndet eine Tochter in Malta. “Ein sukzessiver Transfer von Flugzeugen und Crews in die neue Gesellschaft ist im Winterflugplan 2022/23 geplant”, best√§tigt Eurowings einen Artikel der Onlineseite Airliners.de. Hauptbetroffene ist die Eurowings Europe GmbH mit Sitz in Wien. Im M√§rz soll die maltesische Eurowings Europe Ltd gegr√ľndet werden, in Laufe des Jahres solle eine AOC beantragt werden. Eurowings begr√ľndet den Schritt mit der “aufw√§ndigen Doppelbesteuerung in √Ėsterreich”. Denn in der aktuellen Lage falle “unabh√§ngig vom individuellen Wohnsitz und dem Besch√§ftigungsland der gr√∂√üte Teil der Lohnbesteuerung dem Land zu, in dem sich der juristische Sitz der Airline befindet” – also in √Ėsterreich.
Die meisten Eurowings-Mitarbeiter w√ľrden aber in anderen L√§ndern leben. Das Problem doppelter Steuererkl√§rungen und komplexer Abrechnungsprozesse sei ein Nachteil im Wettbewerb. Ein juristischer Sitz in Malta erm√∂glicht es, Steuer- und Sozialabgaben der Mitarbeitenden in voller H√∂he im jeweiligen Besch√§ftigungsland abzuf√ľhren. “Es geht also explizit nicht um Steuervermeidung, sondern um eine Versteuerung im jeweiligen Land der Besch√§ftigung”, versichert Eurowings. Mitarbeitende in √Ėsterreich (Salzburg, Wien) w√ľrden weiterhin in √Ėsterreich besteuert. Eurowings beruhigt, dass sich f√ľr Cockpit- und Kabinencrews bei einem Wechsel wenig √§ndern werde. Die Besch√§ftigten sollen an ihren bisherigen Basen stationiert bleiben, Steuer- und Sozialabgaben w√ľrden lokal abgef√ľhrt. Auch der arbeits- und sozialrechtliche Status bleibe unangetastet. Bei den 35 Mitarbeitenden in der Verwaltung in Wien werde gepr√ľft, ob sie remote von anderen Standorten arbeiten k√∂nnten.

Gewerkschaftskritik

Die f√ľr Luftfahrt zust√§ndige Gewerkschaft vida ist allerdings von den Berichten beunruhigt. “Vagen Ank√ľndigungen der Fluggesellschaft, dass es dabei zu keinen Verschlechterungen f√ľr die Besch√§ftigen kommen soll, kann und will ich aktuell keinen Glauben schenken”, schreibt Daniel Liebhart, Vorsitzender des Fachbereichs Luftfahrt in der Gewerkschaft vida, in einer Aussendung. Er fordere das Unternehmen zur sofortigen Aufnahme von Gespr√§chen mit der vida auf und verweist auf finanzielle Unterst√ľtzung f√ľr Eurowings und deren Mutter, den Lufthansa-Konzern, in der Corona-Pandemie. “Zum Dank daf√ľr treten sie nun bei erster Gelegenheit die Steuerflucht an”, so Liebhart und erinnert an die langj√§hrige Forderung nach einem Branchenkollektivvertrag.
Bisher gebe es seitens Eurowings keine verbindlichen Zusagen, dass die Rechte der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer auf dem Weg nach Malta unber√ľhrt bleiben. Liebhart fordert daher das Unternehmen auf, umgehend in Gespr√§chen mit der Gewerkschaft schl√ľssig darzulegen, wie so etwas √ľberhaupt funktionieren kann. “Alle derzeit verbindlichen Zusagen wie etwa zur Arbeitsplatzsicherheit sind an die Eurowings Europe GmbH in √Ėsterreich gekoppelt”, kritisiert der vida-Gewerkschafter die Vorgehensweise von Eurowings und Lufthansa. Demgegen√ľber versichert Eurowings: “Selbstverst√§ndlich haben wir den Betriebsrat und die Gewerkschaften informiert. Wir sind jederzeit gerne bereit, mit den Gewerkschaften Gespr√§che aufzunehmen, auch um etwaige Missverst√§ndnisse im Hinblick auf die Zielsetzung der Gr√ľndung auszur√§umen.” Ziel sei, dass “in einer Eurowings Europe in Malta auch derzeit bestehende Betriebsvereinbarungen sowie Kollektiv- und Tarifvertr√§ge weiterhin Bestand haben.” APA/RED.

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