Dann gute Nacht, Tourismus!

ÖHV-Präsidentin Michaela Reitterer im FM-Gespräch.
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ÖHV-Präsidentin Michaela Reitterer spricht Klartext

FM: Tourismus und Hotellerie sind vom Maßnahmenpaket der Regierung und den Reisebeschränkungen in der Corona-Krise besonders hart betroffen. Wie beurteilen Sie die Situation?

Michaela Reitterer: Die Situation ist ganz schwierig. Wir sind wirklich die Branche, wo die Krise zuerst mit voller Wucht eingeschlagen hat. Und wir werden wahrscheinlich auch die Branche sein, die die Auswirkungen am längsten spüren wird. Wenn ich mir durchlese, wie das in anderen Ländern auch in Zukunft gehandhabt werden soll – mit geschlossenen Grenzen und so – dann gute Nacht Tourismus.

FM: Wo liegt aus Ihrer Sicht der Zeit-horizont für die Einschränkungen in der Hotellerie?

Reitterer: Für Hotels, die eine sehr internationale Gästeschicht haben, wird es am längsten dauern. Wenn Europa wieder reisen darf, die europäischen Grenzen wieder offen sind, dann sehe ich zumindest wieder eine Chance für den österreichischen Tourismus und die österreichische Hotellerie. Wo da der zeitliche Horizont liegt, kann niemand von uns abschätzen. Uns muss aber klar sein, dass die asiatischen Märkte oder der amerikanische Markt auf lange Zeit wegbrechen werden. Das wird vermutlich erst besser, wenn es einen Impfstoff gegen das Coronavirus gibt. Beim Tourismus innerhalb Europas wird sich die Situation hingegen schon bessern, wenn man Medikamente hat, die helfen. Der Impfstoff allein wird da nicht so sehr viel ausmachen.  

FM: Geht es hier nicht auch stark um Emotionen?

Reitterer: Ja. Jede Entscheidung, in den Urlaub zu fahren, benötigt ganz viel Emotion. Normalerweise basieren etwa 50 Prozent der Wirtschaft auf Stimmung und Emotion. Beim Tourismus behaupte ich, dass es 80 Prozent sind. Hier gibt es auch Unterschiede zur Geschäftsreise, die man bis dato ja immer als notwendig erachtet hat. Da wie dort: Es wird auch in Zukunft wieder so sein, dass man Menschen begegnen möchte. Der Mensch hat einen grundlegenden Hang zur Mobilität. Und hat auch Freude an der Mobilität. Man wird etwa im Geschäftsbereich schon in den ersten Schritten sehr viele Meetings über digitale Medien abhandeln. Und es wird nicht so viele Businessgäste geben. Auch der Geschäftstourismus wird also eine Zeitlang brauchen, bis er sich wieder erfängt. Der Urlaubstourismus sowieso.

FM: Derzeit gibt es ja einige wenige Hotels, die für Geschäftsreisende geöffnet haben.

Reitterer: Ja, aber letztendlich reißt sich jetzt niemand darum, zu reisen. Selbst nicht für die Firma – es sei denn, es geht um ganz große Abschlüsse. Die Hotels haben jetzt eher noch beispielsweise für die Crews von Frachtmaschinen geöffnet. Oder für LKW-Fahrer, die irgendwo übernachten müssen, weil sie sonst ihre Lenkzeit überschreiten. Das können wir im Moment unter Geschäftsreisen summieren. Es haben ja auch nur ein paar wenige Hotels österreichweit für Geschäftsreisende offen gehalten.

FM: Ist das in allen Bundesländern möglich?

Reitterer: Ja, die Quarantäne ist in Tirol ja vor wenigen Tagen aufgehoben worden. Bis auf Widerruf ist es daher auch dort möglich, für Geschäftsreisende offen zu halten. Wobei die Hotels dafür ein Ansuchen bei ihrer Bezirkshauptmannschaft  stellen müssen. In Innsbruck z.B. hatten ein paar Hotels auf Ansuchen auch während der Quarantäne geöffnet. Es gibt zum Glück schon noch genügend Menschen, die das System aufrecht erhalten. Und die dafür reisen müssen. Nicht alle sind auf Videoschaltung.

FM: Können Sie uns ganz kurz die Situation in Ihrem eigenen Hotel beschreiben?

Reitterer: Wir haben geschlossen, aber jeden Tag vier Stunden Journaldienst, weil wir ja die Anfragen für Stornos bzw. Umbuchungen und sogar für schon einige wenige Neubuchungen für das Jahresende entgegen nehmen. Zusätzlich haben wir noch eine Baustelle, die jetzt fertig gestellt wird. 

Lesen Sie das gesamte Interview in unserer aktuellen FM-Ausgabe!

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