Bunte Mischung

Das Frühstück gilt als neuer gastronomischer Publikums-Magnet. Trotzdem füllt der Boom nicht automatisch die Kassen aller Anbieter.
© Landkind

Das „Landkind“ am Schwendermarkt in Wien überzeugt mit hochwertigen Zutaten

Die organisatorische Geduldsprobe hat sich gelohnt. Das Paar kann endlich Platz nehmen, während die nächsten Gäste auf einen freien Tisch hoffen. Allfällig aufkeimende Langeweile lässt sich visuell abfedern: In diesem kleinen gastronomischen Biotop herrscht stetiger Hochbetrieb. Das Abenteuer macht für keinen Akteur zwischen Küche und Kaffeemaschine Pause. 

Es ist ein normaler Samstag im „Landkind“ am Schwendermarkt im 15. Wiener Gemeindebezirk. Über Besuchermangel muss sich hier sichtlich niemand beklagen. Die Anziehungskraft wird nicht nur am Wochenende massiv von einem spezifischen Verlangen dominiert: Und zwar geht es um jene Nahrungsaufnahme, die bei vielen Menschen den inneren Turbo nach der Bettruhe startet; quasi das physische Vitalsignal nach dem Erwachen liefert. Im Bedürfnis-Zentrum stehen dann diverse Speisenvarianten und Heißgetränke. „Wir haben eben eine Leidenschaft fürs Frühstück“, erklärt Nina Strasser, Mitgründerin des Bauernladens und Marktcafés, den Gästeandrang. Das Angebot reicht im „Landkind“ von hausgemachtem Granola mit Joghurt und saisonalen Früchten bis zu deftiger Kost. Ein Hangover-Pfandl, bestehend aus Kernöl, Pilzen und gerösteten Erdäpfeln auf der Eierspeise, dürfte dann jeden Nachtschwärmer aus seiner Post-Clubbing-Apathie holen. Wie alle Speisen im „Landkind“ frisch zubereitet. „Es muss ja nicht immer das Avocado-Brot sein, um auftrumpfen zu können“, sagt Strasser, die gleichzeitig auf Transparenz verweist: „Unser Frühstück besteht aus Lebensmitteln, die im Laden vorhanden sind. Wir kochen auch vor den Gästen. So wird sichtbar, dass es sich um hochwertige Zutaten handelt.“ 

Erstaunliche Karriere

Aber nicht nur in dieser Markt-Lokalität: Generell steigt in der Gastronomie der Zustrom hungriger Personen, die plötzlich eine Mahlzeit goutieren, die bislang eher ein Schattendasein fristen musste. Das Frühstück verzeichnet in Österreich einen erstaunlichen Aufschwung. Durch den Imagewandel klingelt auch die Kasse so mancher Betriebe. 

Immer mehr Lokale springen auf den Zug auf. Von einer Frühstückswüste ist keine Rede mehr. Seit schicke Start-ups, hippe Szenelokale und gestandene Platzhirsche um Kunden rangeln. 

Dort werden Kreationen geboten, die alle Erinnerungen an den einstigen Küchen-Minimalismus wegwischen. „Die 08/15-Hotelvariante hat ausgedient. Es geht vielmehr um Experience, denn soziale Faktoren spielen eine wichtige Rolle. Frühstück eignet sich sehr gut, um mit Freunden oder der Familie den Tag mit entspannter Atmosphäre zu beginnen. Die Gäste essen gut und kommunizieren in einer spannenden Location“, erläutert Martin Mayerhofer, Managing Partner der Tourismusberatung Kohl & Partner. 

Neben dem emotionalen Mehrwert finden sich auch rationale Argumente. Das Frühstück dient zunehmend als Ersatz für Meetings im Büro. Bieten doch viele Lokale WLAN und Tische, die sich für Business-Gespräche eignen. 

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