Wenige Pleiten in der Gastro- und Hotelbranche

Laut KSV1870 ist die Corona-Krise branchenweit nur für knapp 14 Prozent aller Firmenpleiten verantwortlich.
© Pixabay

Die überwiegende Zahl der Insolvenzen findet nicht in der von der Coronapandemie besonders betroffene Gastro- und Hotelbranche statt

Der österreichischen Wirtschaft geht es deutlich schlechter als es die aktuellen Insolvenzzahlen vermuten lassen. Das sei nicht zuletzt einem „politischen Kunstgriff“ (Verlängerung der Insolvenzmeldepflicht, Stundungen etc.) geschuldet, warnt Karl-Heinz Götze, Leiter Insolvenzen beim Kreditschutzverband KSV1870. „Irgendwann kommt die Stunde der Wahrheit, mit jedem weiteren Tag wird der Schaden größer. Es gibt immer mehr gerettete Firmen, die gesunde Unternehmen mitreißen.“

Kurzarbeit darf kein Dauerzustand sein

Außerdem würden die Mitarbeiter in den strauchelnden Betrieben an anderen Arbeitsplätzen fehlen, sagte Götze im Gespräch mit der APA. Darauf hat in der Vergangenheit auch bereits AMS-Chef Johannes Kopf hingewiesen. Die Kurzarbeit könne jedenfalls kein Dauerzustand sein, so Götze. Auffallend sei, dass die überwiegende Zahl der Insolvenzen nicht die von der Coronapandemie besonders betroffene Gastro- und Hotelbranche verzeichne – hier sei der größte Rückgang seit Jahren zu bemerken. Weiterhin hoch seien hingegen die Pleiten in der Baubranche, die eigentlich ganz gut durch die Krise gekommen sei.

Der Trend des Vorjahres setzte sich zuletzt in allen Branchen fort: Pro Woche wurden in den vergangenen sechs Monaten um rund 60 Prozent weniger Firmenpleiten als vor der Krise gezählt. Im ersten Quartal 2021 wurde der niedrigste Wert an Insolvenzen seit 1977 registriert. Die Wirtschaftskrise selbst ist seit Beginn des ersten Lockdowns für knapp 14 Prozent aller insolventen Unternehmen verantwortlich, so Götze mit Verweis auf eine Analyse der abgeschlossenen Verfahren.

Nur auf den ersten Blick positives Ergebnis

„Das auf den ersten Blick positive Ergebnis ist für die heimische Wirtschaft alles andere als erfreulich. Langfristig gesehen können dadurch weitaus gravierendere Probleme entstehen als dies zum jetzigen Zeitpunkt ohnehin schon der Fall ist“, warnt der Insolvenzexperte.

Aus heutiger Sicht geht der KSV1870 davon aus, dass sowohl die Zahl der Firmenpleiten als auch jene der coronabedingten Insolvenzen frühestens im Herbst 2021 steigen werden. Zudem sei es durchaus vorstellbar, dass am Ende des laufenden Jahres die Zahl der Firmenpleiten nicht dramatisch höher ausfallen könnte als im Vorjahr.

APA/red

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