Warnstreiks: Flugausfälle auch in Wien

Der Streik der Sicherheitskräfte wurde an den betroffenen Flughäfen weitreichend befolgt. Die Auswirkungen waren bis Wien zu spüren.
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Wegen des Streiks mussten mehrere Flüge gecancelt werden

Hunderte Flugausfälle, geplatzte Reisepläne und Scharen genervter Passagiere: Mit erneuten ganztägigen Warnstreiks haben die privaten Sicherheitskräfte an deutschen Flughäfen am Dienstag einen Großteil des Luftverkehrs des Landes lahm gelegt. In Wien sind 18 Flüge von und nach Deutschland von dem Streik betroffen.
In Hamburg und Hannover wurden sämtliche Abflüge gestrichen, in Berlin, Stuttgart und Düsseldorf ging ebenfalls nur wenig. Mit der Ausweitung auf Leipzig wurden von der Gewerkschaft Verdi insgesamt neun Flughäfen bestreikt, um bessere Arbeitsbedingungen für die Fracht- und Passagierkontrolleure zu erzwingen.
Allein am Drehkreuz Frankfurt sagten die Gesellschaften 118 von 790 geplanten Flügen ganz ab, wie der Betreiber Fraport berichtete. Zusteigen konnte am Rhein-Main-Flughafen niemand, stattdessen wurden nur Umsteiger abgefertigt. Ankommende Passagiere konnten wie überall den Flughafen wie gewohnt verlassen, da sie nach der Landung nicht mehr von den Sicherheitsdienstleistern überprüft werden. Von einer Anreise zum Flughafen hatte Fraport abgeraten, so dass es in den Terminals sehr ruhig blieb. Begonnen hatte die Warnstreikwelle bereits um 22.00 Uhr in Leipzig und um Mitternacht in Köln/Bonn, wie Verdi berichtete. An diesen Frachtdrehkreuzen gibt es kein Nachtflugverbot.
Verdi fordert in den Tarifverhandlungen mit dem Bundesverband der Luftsicherheitsunternehmen, den Stundenlohn um mindestens einen Euro zu erhöhen. Wesentlich kostspieliger könnten regionale Angleichungen sowie vereinheitlichte Tarifgruppen werden, die den Arbeitgebern zufolge für einzelne Beschäftigte bis zu 40 Prozent mehr Gehalt bringen würden. Die Arbeitgeber werfen der Gewerkschaft Maßlosigkeit vor, nachdem man bereits bis zu 22 Prozent angeboten habe. Nach vier Verhandlungsrunden wollen sich beide Seiten am Donnerstag in Raunheim bei Frankfurt erneut treffen.
Die Branche kritisierte den ohne Urabstimmung geführten Ausstand schärfer denn je. Bereits in der vergangenen Woche hatte Verdi in regionalen Wellen ganztägige Warnstreiks veranstaltet. Mit Ausnahme Bayerns werden die Kontrollen der Fracht, der Passagiere und des Personals von privaten Dienstleistern durchgeführt, die von der Bundespolizei mit dieser hoheitlichen Aufgabe beauftragt sind.
Flughäfen und Airlines seien daher nicht Teil des Konflikts, würden aber mit vielen tausend Passagieren am stärksten getroffen, erklärte der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft. „Mit der unverhältnismäßigen flächendeckenden Lahmlegung des Luftverkehrs verlässt Verdi die Grundlage einer verantwortungsvollen Tarif- und Arbeitskampfpolitik“, sagte Hauptgeschäftsführer Matthias von Randow.
Der Bundesverband der Deutschen Fluggesellschaften (BDF) verlangte vom Staat eine Neuordnung der Sicherheitskontrollen. „Die bestehende Organisationsstruktur macht alle Beteiligten, den Bund als Auftraggeber wie auch die Passagiere, die ohne Kontrollen ihren Flug nicht antreten können, erpressbar. Dieses System hat in den letzten zehn Jahren dazu geführt, dass sich die Kosten für diese Kontrollen in Deutschland verdoppelt haben“, sagte BDF-Geschäftsführer Michael Engel. Ryanair-Manager Andreas Gruber verlangte von der Regierung sofortige Maßnahmen, „um diese Streiks und die inakzeptablen Beeinträchtigungen für die Fluggäste zu beenden“.
Eurowings-Betriebschef Jens Ritter machte eine Rechnung zu den Verdi-Aktionen aus Sicht der Passagiere auf: „Auf dieser Rechnung stehen inzwischen mehr als 20.000 geplatzte Urlaubsreisen, 10.000 ausgefallene Business Trips und über 5.000 verschobene Familien- und Heimatbesuche – und das nur aufgrund eines völlig unverhältnismäßigen Streiks am Nadelöhr der Sicherheitskontrollen.“
Die Fluggesellschaft Condor hat hingegen nach eigenen Angaben am Dienstag alle geplanten Abflüge mit mehr als 2.000 Gästen über Ausweichflughäfen organisiert. Statt aus Düsseldorf, Hamburg und Frankfurt starteten die Ferienflieger aus Paderborn, Rostock-Laage und Nürnberg. Die Passagiere waren unter anderem mit Bussen zu den neuen Abflughäfen gebracht worden.
Ein weiterer Streik in der Branche wurde am Dienstag von der Vereinigung Cockpit (VC) ausgeweitet. Beim Fracht-Joint-Venture Aerologic von Lufthansa und DHL stehen die VC-Piloten weitere acht Tage nicht zur Verfügung. Das Unternehmen erklärt unterdessen, dass der bisherige Streik ohne Wirkung geblieben und kein geplanter Flug ausgefallen sei. Die VC will in dem bis jetzt untarifierten Unternehmen einen ersten Vertrag für die rund 600 Piloten erreichen und wirft dem Management vor, stattdessen Verhandlungen mit Verdi anzustreben, die in der Pilotenschaft aber keinen ausreichenden Rückhalt habe.
 
apa

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