Wann Anschober Ortschaften abriegeln würde

Der Gesundheitsminister hat in der letzten Februar-Woche eine Verordnung zum Epidemiegesetz unterzeichnet.
© Land Oberösterreich

Rudi Anschober

Nach einer sehr turbulenten Woche wegen der ersten Corona-Ansteckungsfälle in Österreich lud Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) für Ö3-„Frühstück bei mir“ ins Mühlviertel. Im Gespräch mit Ö3-Moderatorin Claudia Stöckl erklärte er, dass er erst am Freitag (28.2.2020) die Verordnung unterschrieben habe, dass die Maßnahmen des Epidemiegesetzes bei Corona anwendbar sind. Anschober auf Ö3: „… weil dezidiert eine Liste im Epidemiegesetz vorhanden ist, die festlegt, bei welchen Erkrankungen das Epidemiegesetz angewendet werden kann. Das heißt, wir haben jetzt einen Rechtsstatus, rechtliche Voraussetzungen dafür.“ Auf die Frage von Stöckl, wie viele Infektionen es geben müsse, damit die Maßnahmen des Epidemiegesetzes – wie die Abriegelung einzelner Orte – in Österreich exekutiert werden, erklärte Anschober: „In Italien hat es Gemeinden gegeben mit 30, 40, 50 Erkrankungen. Wenn eine derartige Zuspitzung eintritt und man sonst keine andere Möglichkeit hat, könnten wir das jetzt auch in Österreich machen. Aber wir werden das sehr zurückhaltend handhaben.“

Mängel bei Vorbereitungen auf Epidemie

Der Minister hätte vor einer Ansteckung mit dem Corona-Virus keine Angst: „Im Regelfall ist Corona nichts, wovor man sich wirklich panisch fürchten müsste. Nur was mich mit Sorge erfüllt ist, dass Italien bereits Nummer drei weltweit ist, was die Länder betrifft, die Erkrankungen haben. Und dass die Ausbreitungen in Deutschland sehr stark voranschreiten. Wir befinden uns zwischen Italien und Deutschland. Wir können keinen Glassturz über unser Land stellen. Wir können das Virus auch nicht mit mittelalterlichen Methoden bekämpfen, indem wir eine Mauer rund um Österreich bauen. Deswegen braucht es eine sehr offensive Strategie, eben diese Abgrenzungsstrategie.“ Bezugnehmend auf eine Studie der John-Hopkins-University, die weltweit untersucht, wie gut das jeweilige Gesundheitssystem auf Pandemien vorbereitet ist, sieht Anschober Mängel in den letzten Jahren: „Die Vorbereitungsübungen gibt es in manchen Bereichen, aber im Bereich Epidemien derzeit noch nicht.“ Allerdings habe man in den letzten Wochen aufgeholt: „Die Vorbereitung, die wir jetzt in den letzten Wochen realisiert haben, da würden wir bei jeder Erhebung der Welt mit vorne dabei sein.“ In seinem Mühlviertler Steinhaus wäre Anschober jedenfalls für den Fall einer Quarantäne vorbereitet. „Wir haben in der Speis einiges an Vorräten, Tomatensugo, Nudeln, trotz Hausbrunnen immer ein paar Flaschen Wasser zuhause. Weil es einmal Probleme mit der Pumpe beim Hausbrunnen gegeben hat und da merkt man erst, was es heißt, wenn man drei, vier Tage kein Wasser hat.“

Von Best- bis Worst-Case-Szenario

Die nächsten drei Wochen sieht Anschober als entscheidend: „Es gibt drei Möglichkeiten der Entwicklung. Das Worst-Case-Szenario: Es kommt zu einer globalen Pandemie. Best-Case wäre, es ist wie bei SARS vor Anfang der 2000er, wo die Absonderung, die Abgrenzung so gut gelungen ist, dass das Virus ‚ausgehungert‘ wurde. Und die dritte Option – mir sagen mittlerweile Experten des Robert Koch-Instituts in Deutschland, das könnte sogar die wahrscheinlichste sein – ist, dass eine Mischung aus beidem eintrifft. Nämlich, dass sich Corona so ähnlich entwickelt wie die Influenza. Das heißt, dass sie über die Sommermonate weg ist und dann im Winter kontinuierlich wiederkommen kann. Deswegen ist es so wichtig, dass wir den Impfstoff möglichst bald kriegen, damit wir vor der nächsten Kältesaison den Impfstoff haben. Da arbeiten mittlerweile tausende Forscher und Forscherinnen weltweit. Und ich glaub einfach ganz fest daran, dass wir das schaffen werden.“

 

PA/red

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