Venedig sehnt sich nach Touristen

Das alteingesessene Café Florian am Markusplatz musste wegen Corona schon schließen.
© Pixabay

Markusplatz mit dem Café Florian im Vordergrund

Nach dem Hochwasser im November und des wegen des Coronavirus unterbrochenen Karnevals erlebt die zur Sperrzone erklärte Stadt Venedig bedrückende Tage. Das einstige Magnet des globalen Massentourismus ist menschenleer, auf den Gassen sind lediglich wenige Einheimische zu sehen. Die Gondeln stehen still, die Cafés am Markusplatz schließen.

Der einstige Tummelplatz für Ausländer aus aller Welt und Lieblingsziel des Kreuzfahrttourismus ist zum Erliegen gekommen. Die Vaporetti, die sonst überfüllten Wasserbusse am Canal Grande, verkehren fast leer. Das traditionsreiche Café Florian auf dem Markusplatz, Treffpunkt des internationalen Jetsets, musste vor dem Coronavirus-Notstand kapitulieren und ist vorübergehend geschlossen.

1720 wurde das Café Florian, Italiens ältestes Kaffeehaus unter den Arkaden der Procuratie Nuove des Markusplatzes, eingeweiht und bewahrt bis heute viel vom Dekor des 19. Jahrhunderts. Zu seinen berühmten Besuchern zählten Goethe, Lord Byron, Honore de Balzac, Giacomo Casanova und Marcel Proust. Auf der entgegengesetzten Seite des Markusplatzes bleiben zwei weitere namhafte Cafés – das Quadri und das Lavena – offen, doch die Tische sind fast leer.

Der Markusdom steht nur Gläubigen offen, die beten wollen. Gottesdienste, sowie Trauerzeremonien und Hochzeiten sind ausgesetzt.

Die Hotels erleben schwierige Zeiten wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr. Die Hoteliers, die bereits nach der Flutwelle im Oktober und dem Ausfall chinesischer Touristen wegen der Coronavirus-Epidemie schwere Verluste erlitten haben, wurden in die Knie gezwungen. „Dutzende Hotels haben geschlossen, andere stehen vollkommen leer. Nur wenige haben zehn Prozent aller Zimmer besetzt“, klagte der Direktor der venezianischen Hoteliervereinigung AVA Claudio Scarpa, die 400 Hotels vertritt. Unzählige Ressorts mussten ihre Mitarbeiter auf Kurzarbeit umstellen.

Ohne Touristen drohen in Venedig mindestens 10.000 Arbeitsplätze wegzufallen, schätzen Experten. Die wenigen noch offenen Hotels am Canal Grande locken mit Schnäppchenpreisen. Für 60 Euro bekommt man Zimmer, die noch bis vor wenigen Monaten 280 Euro pro Nacht kosteten.

APA/red

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