Vapiano ist zahlungsunfähig

Mit sofortiger Staatshilfe könnte die Restaurantkette noch gerettet werden.
© Vapiano

Typisches Vapiano-Restaurant

Schon lange bevor ein Virus namens SARS-CoV-2 das öffentliche Leben zum Erliegen brachte, sah es für die deutsche Restaurantkette Vapiano alles andere als rosig aus: Vapiano musste herbe Verluste ausweisen, auch eine abgespeckte Menükarte oder neue Bestellterminals brachten nicht die erhoffte Wende.

Jetzt, wo Pizza und Pasta im Restaurant wegen zu hoher Ansteckungsgefahr kein Thema mehr ist, hat es Vapiano daher ganz schnell erwischt: In Deutschland mussten 55 Restaurants auf unbestimmte Zeit schließen, weltweit sogar mehr als 230. In Österreich betreibt Vapiano 17 Filialen mit rund 500 Mitarbeitern. Da Umsätze ausbleiben und Miete und Gehälter trotzdem gezahlt werden müssen, musste Vapiano am Freitag (20.3.) verkünden: Die Kasse ist leer, wir sind zahlungsunfähig.

In normalen Zeiten müsste das börsennotierte Unternehmen nun innerhalb von drei Wochen formal Insolvenz anmelden. In der Corona-Realität hofft Vapiano hingegen darauf, noch den Kopf aus der Schlinge ziehen zu können. Bereits Anfang der Woche kündigte das deutsche Unternehmen an, Hilfe vom Staat beantragen zu wollen.

Weniger Tage später heißt es: Man werde Anträge auf Hilfsprogramme verschiedener Regierungen in Europa stellen. „Seit heute ist klar, dass Vapiano ohne sofortige staatliche Unterstützung nicht überlebensfähig sein wird und Insolvenz anmelden muss, was den Verlust von 10.000 Arbeitsplätzen weltweit zur Folge hätte“, sagte Vapiano-Chefin Vanessa Hall am Freitag (20.3.). Rund 3800 dieser Arbeitsplätze würden in Deutschland wegfallen. Nur wenn schnelle und ausreichende Stützen vom Staat kämen, könne eine bereits entwickelte Finanzierungslösung mit den wesentlichen Aktionären und den finanzierenden Banken auch gelingen.

Trotz entschlossener Ankündigungen der Politiker sei es bis jetzt nicht einmal möglich, einen entsprechenden Antrag auf Staatshilfen zu stellen, monierte das Unternehmen. Die „KfW-Corona-Hilfe“ zur Überbrückung von Liquiditätsengpässen sei „zum jetzigen Zeitpunkt offenbar nicht verfügbar“. Mit dieser Kritik steht Vapiano nicht allein da: „Es reicht nicht, hohe Staatsbürgschaften ins Schaufenster zu stellen“, beklagte auch Rainer Kirchdörfer, Vorstand der Stiftung Familienunternehmen. „Das geht nur mit Pauschalbewilligungen im Schnellverfahren.“

Die deutsche Regierung hat ein unbegrenztes Kreditprogramm beschlossen, um angesichts der dramatischen wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise die Liquidität der Firmen sicherzustellen. Die staatliche Förderbank KfW bietet den Geschäftsbanken je nach Programm an, 70 bis 80 Prozent des Kreditrisikos zu übernehmen. Das soll den Finanzinstituten die Vergabe von Darlehen erleichtern.

Justizministerin Christine Lambrecht (SPD) hatte zudem angekündigt, die Pflicht für Insolvenzanträge aussetzen zu wollen. „Wir wollen verhindern, dass Unternehmen nur deshalb Insolvenz anmelden müssen, weil die von der Bundesregierung beschlossenen Hilfen nicht rechtzeitig bei ihnen ankommen“, so Lambrecht. Vapiano könnte nun also zum Präzedenzfall werden.

Jahrelang florierte das Geschäft der Kette, doch bei der Expansion übernahm sich das Unternehmen. Viele neue Restaurants wurden zu Verlustbringern. Hinzu kam, dass Konkurrenten wie L’Osteria stärker wurden – diese Kette setzt auf Bedienung am Tisch, bei Vapiano hingegen müssen sich die Gäste das Essen selbst am Tresen bestellen und holen. Bei L’Osteria gibt man sich aktuell noch kämpferisch: „Wir halten das durch“, sagte Vorstandschef Mirko Silz der „WirtschaftsWoche“. „Aber der Markt wird nach Corona sicherlich anders aussehen als zuvor.“

APA/red

Gefällt Ihnen der Beitrag?
Share on facebook
Facebook
Share on twitter
Twitter
Share on linkedin
LinkedIn
Share on telegram
Telegram
Share on whatsapp
WhatsApp
Share on email
Email