Streikgefahr bei Lufthansa: Piloten leiten Urabstimmung ein

Bisher sechs Gesprächsrunden gescheitert
© Unsplash

Bei Lufthansa ist Streikgefahr – doch nicht nur das, zusätzlich schwelt ein Konflikt über die künftige Konzernstrategie im Hintergrund

Die Nachrichten über Fluggesellschaften scheinen nicht abzureißen. Nicht nur die chaotischen Zustände an den Airports lassen viele Menschen diesen Sommer verzweifeln, jetzt drohen auch mitten in der Hauptreisezeit Streiks.
So etwa bei der deutschen AUA-Mutter Lufthansa: Die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) will unter den rund 5.000 Piloten der Kerngesellschaft Lufthansa und Frachttochter Lufthansa Cargo eine Urabstimmung starten, wie aus einem internen Papier hervorgeht, das der Nachrichtenagentur dpa vorliegt. Bei einer Zustimmung wären unbefristete Streiks möglich.

Kein Ergebnis nach sechs Verhandlungsrunden

Ein Lufthansa-Sprecher erklärte, dass man weiterhin eine Lösung am Verhandlungstisch anstrebe. Man halte zudem an dem verabredeten Verhandlungsplan fest. „Wir wollen gemeinsam zukunftsfähige Lösungen erarbeiten, die sowohl die erhöhte Inflation als auch die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Unternehmens berücksichtigt.“ Auch die Gewerkschaft VC betonte ihre weitere Gesprächsbereitschaft.

Grund für die Streikvorbereitungen sind die nach sechs Verhandlungsrunden festgefahrenen Unterredungen über einen neuen Gehaltstarifvertrag. So sei dem Schreiben zufolge seitens Lufthansa bisher kein verhandlungsfähiges Angebot vorgelegt worden. Die VC verlangt nach eigenen Angaben unter anderem Gehaltssteigerungen von fünf Prozent im laufenden Jahr und einen automatisierten Inflationsausgleich ab dem kommenden Jahr. Der laufende Vertrag wurde von ihnen zum 30. Juni gekündigt.

Neuer Flugbetrieb mit niedrigen Tarifbedingungen

Zusätzlich schwelt ein Konflikt über die künftige Konzernstrategie im Hintergrund. Die VC hatte sich in der Vergangenheit die exakte Zahl von 325 Flugzeugen garantieren lassen, die ausschließlich von Kapitänen und Ersten Offizieren geflogen werden dürfen, die dem Konzerntarif unterliegen. Die Lufthansa hatte unter dem Eindruck der Coronakrise die entsprechende Vereinbarung aufgekündigt und begonnen, unter dem Kranich-Logo einen neuen Flugbetrieb mit niedrigeren Tarifbedingungen aufzubauen. Die neue Airline soll im Europa-Verkehr wesentliche Aufgaben der bisherigen Kerngesellschaft übernehmen.

APA/ Red.

Gefällt Ihnen der Beitrag?
Facebook
Twitter
LinkedIn
Telegram
WhatsApp
Email