Russischer McDonald’s-Nachfolger öffnet seine Türen

„Lecker und Punkt“ erfährt geringeren Andrang bei der Eröffnung als Vorgänger McDonald’s
© Pixabay

In Russland haben die ersten Filialen von „Lecker und Punkt“ eröffnet. Diese sollen als Ersatz für die amerikanische Fast-Food-Kette McDonald’s dienen

Nachdem Russland einen Angriffskrieg auf die Ukraine startete, zogen sich immer mehr Unternehmen aus dem Land zurück. Darunter auch die Fast-Food-Kette McDonald’s. Nach mehr als 30 Jahren hat die Fast-Food-Kette seit Anfang März zunächst vorübergehend geschlossen. Wie mehrere andere internationale Unternehmen zog sich der Fast-Food-Konzern dann später endgültig aus dem flächenmäßig größtem Land der Erde zurück, wo er mit 62.000 örtlichen Mitarbeitenden zuletzt zu einem der wichtigsten Arbeitergeber zählte.

Die leerstehenden Filialen hat Russland nun mit ihren eigenen Burger-Restaurants besetzt. Die Kette trägt den Namen „Wkusno i totschka“ – auf deutsch übersetzt „Lecker und Punkt“. Sie hat auch ein neues Logo: Zwei orange Striche und ein roter Kreis auf dunkelgrünem Hintergrund. Dargestellt werden sollen zwei Fritten und ein Burgerpatty.

„Alles schmeckt wie vorher auch, nur die Cola ist schlechter“, sagt ein junger Mann, der gemeinsam mit seinen Freunden am Sonntagmittag vor einer der ehemaligen McDonald’s-Filialen steht, die im Zentrum Moskaus unter ihrem neuen, russischen Besitzer wiedereröffnet haben. Schon mehr als eine Stunde vor Einlass warteten hunderte Menschen vor dem Gebäude am Puschkin-Platz.

Bis auf das Logo, soll sich darüber hinaus möglichst wenig ändern. Die Standorte der Restaurants sind dieselben, die Mitarbeitenden auch und das Menü ist ebenfalls fast identisch wie das von McDonald’s. Lediglich der Burger „Filet-o-Fish“ heißt jetzt „Fish Burger“, der Hamburger „Royal“ ist zum „Grand“ geworden und der „Double Royal“ zum „Double Grand“. Lediglich an Bahnhöfen und Flughäfen sollen einzelne Restaurants wegen besonderer Franchise-Verträge, die nicht einfach aufzukündigen sind, zunächst unter US-Logo weitergeführt werden.

Der neue Eigentümer, der Unternehmer Alexander Gowor, möchte innerhalb von zwei Monaten die landesweit 850 Filialen nun alle wiedereröffnen. Er betrieb in den vergangenen Jahren bereits 25 McDonald’s Filialen in Sibirien. Gowor, der einst in der Bergbau – und Öl-Branche reich wurde, ist vertraglich dazu verpflichtet, die bisherigen Mitarbeitenden mindestens zwei Jahre lang zu denselben Konditionen weiterzubeschäftigen. Die McDonald’s-Markensymbole darf der Unternehmer unterdessen nicht weiter nutzen.

McDonald’s habe gemeinhin immer als amerikanisch gegolten. Dabei sei eigentlich „alles unseres, russisch“, meint Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin am Eröffnungstag – der symbolischerweise mit dem Feiertag „Tag Russlands“ zusammenfällt – mit Blick auf die russischen Landwirte, von denen der US-Konzern in der Vergangenheit die Zutaten für seine Filialen in Russland bezog. Immer wieder betonen kremltreue Politiker, dass die westlichen Sanktionen Russland nichts anhaben könnten, dass man sogar gestärkt daraus hervorgehen werde. Die neue Kette soll das beweisen.

„Lecker und Punkt“ klingt auch im russischen Original wie „Schmeckt gut und basta“. Manch einen bringt das zum Schmunzeln, erinnert die Formulierung doch ein wenig an die sowjetische Gastronomie, die nicht unbedingt für hohe Dienstleistungsstandards bekannt war. Gegessen wurde, was auf dem Tisch kam.

Mit Anfang der 1990er-Jahre war die Eröffnung der ersten McDonald’s-Filialen in Russland ein Zeichen für Wandel und Aufbruch in Russland gewesen. Der russische neue „McDonald’s“ hingegen zeigt, wie verhärtet die Fronten zwischen Moskau und dem Westen sind.

 

APA/ Red.

 

 

 

 

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