Quartiergeber inszenieren sich zusehends selbst

Namhafte Experten zeigen beim Hotelierkongress in Bregenz Möglichkeiten der Erlebnisvermittlung auf.
© Pixabay

Sporthotel Silvretta in Ischgl

Wer eine Nacht in einem guten Hotel bucht, sucht nicht nur ein Zimmer und ein Bett. Um sich von der Konkurrenz abzuheben, inszenieren sich die Quartiergeber zusehends selbst. „Man muss aber aufpassen, dass man vor lauter Inszenierung nicht das Wesentlichste vergisst – die Passion, mit der man das macht“, betonte Tourismusmanager Philipp Patzel von den Esterházy Betrieben am Hotelierkongress in Bregenz.

Die Hoteliers sollten Wärme und Geborgenheit vermitteln und „nicht zu krampfhaft versuchen, eine Geschichte zu erzählen“, sagt Ellen Nenning, Geschäftsführerin des Hotels Gams in Bezau (Vorarlberg). „Aber ich muss mich differenzieren können.“ Nenning kann das: Vor etwa zehn Jahren lancierte sie in der 2.000-Seelen-Gemeinde ihr Vier-Sterne-Haus als „Genießer- & Kuschelhotel“.

„Wir haben die wildesten Fantasien und Bilder angeregt in der Talschaft und in der Branche – wir hatten angenommen, ‚Zeit zu zweit‘ ist nicht anrüchig“, berichtete Nenning von der anfangs gewagten, nun aber recht erfolgreichen Unverwechselbarkeit ihres Hotels, das in einem Haus aus dem Jahr 1648 mitten am Dorfplatz beheimatet ist. Erst als nach einiger Zeit ein Kirchenvertreter zu uns einen Kaffee an der Bar trinken kam, wussten wir, wir sind akzeptiert“, erinnert sich die Hotelchefin. „Man muss den Mut haben, Dinge zu tun und nicht zu wissen, was dabei rauskommt.“

Inszenierungen für unterschiedliche Zielgruppen

Eindeutig positioniert ist auch der Skiort Ischgl mit der angeblich höchsten Dichte an Vier- und Fünf-Sterne-Hotels in Österreich. „Mit der Eitelkeit der Menschen kann man das beste Geschäft machen – der Gast kann sich bei uns inszenieren“, erklärte der Geschäftsführer des Tourismusverbands Paznaun – Ischgl, Andreas Steibl, den Showfaktor: Ischgl als Kulisse für Hedonisten bzw. die Lifestyle- und Markenorientierten. „Wir geben ihnen die Bühne der Eitelkeit.“ Markeninszenierung im Tourismus sei, wie in der Konsumgüterbranche, ganz wichtig. „Diese Dienstleistung kann man verkaufen.“

„Man muss aber auch aufpassen, dass wir nicht ‚Alpen-Disneyland‘ werden, sondern authentisch bleiben, regionale Produkte verkaufen und die Bevölkerung mit ins Boot holen“, hält Gerhard Wendl, Vorstand der JUFA Hotels mit rund 60 Hotels in über fünf Ländern, dagegen.

Die „Erlebnisvermittlung“ im Tourismus biete einen Ausweg aus dem „sinnlosen Wettbewerb, wer den Gästen den größten Spa-Bereich anbieten kann“, meint Patzel. „Es ist ein Weg sich zu differenzieren, ohne sich an die Banken ketten zu müssen.“

Es gebe kein Zuviel oder Zuwenig: Es gebe verschiedene Inszenierungen für die unterschiedlichsten Zielgruppen, so der Stratege und Konzeptentwickler Matthias Imdorf vom Unternehmen Erlebnisplan. „Wenn es dem Geschäft guttut und der Rubel rollt, hat die Inszenierung ihre Berechtigung.“ Der Tourismus soll seiner Ansicht nach auf verschiedene Lebensstile eingehen. Manche wollen Ruhe und Nähe, manche wollen Ischgl.

APA/red

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