“Overtourism”: Einheimische befürchten hohe Preise

Dies ergab eine Befragung von mehr als 7.000 Einheimischen. Tourismus-Staatssekretärin Kraus-Winkler will Tourismusakzeptanz fördern.
Matthias Balk/dpa/picturedesk.com

Manchen wird es schon zuviel

Tourismus wird von den Einheimischen nicht immer nur positiv gesehen. Wenn es zu viel wird – Stichwort “Overtourism” – führt das oft zu schlechter Stimmung, vor allem bei mangelndem Management der Besucherströme. Hohe Preise für Immobilien, Gastronomie und Handel und ein zu starkes Verkehrsaufkommen frustrieren die Anrainer am meisten. Dennoch sind viele Einheimische auch stolz, in einer Gegend zu leben, die für andere ein beliebtes Reiseziel darstellt.

Laut einer Erhebung des Beraterunternehmens Kohl & Partner und BWS.Branding unter mehr als 7.000 Einheimischen in diversen Tourismusgebieten machen vor allem die hohen Immobilienpreise Sorgen. 44 Prozent der Befragten seien alarmiert über die hohen Wohnpreise, geht aus der Befragung hervor. Ebenso nehmen 29 Prozent der Befragten die hohen Preise in der Gastronomie und im Handel als Problem wahr.

41 Prozent sehen sich außerdem von einem durch den Tourismus erhöhten Verkehrsaufkommen belastet. Knapp ein Drittel (30 Prozent) sorgt sich um die Naturverträglichkeit von zu viel Tourismus aufgrund von zu dichter Bebauung und Umweltverschmutzung.

Dass viele Touristen in ihre Heimat kommen, um Urlaub zu machen, macht 39 Prozent der Einheimischen dennoch stolz. Auch die Infrastruktur für Freizeitmöglichkeiten, die geschaffen wurden, sind für 38 Prozent ein Vorteil des Tourismus. Ebenfalls 38 Prozent sehen die Reisewirtschaft zudem als Motor für Arbeitsplätze, die gastronomische Vielfalt wird von 32 Prozent geschätzt.

Für Gernot Memmer, Experte für Destinationsentwicklung beim Tourismusberatungsunternehmen Kohl & Partner, ist vor allem die Balance entscheidend. Tourismus würde meist positiv von den Anrainern wahrgenommen, die als negativ empfundenen Aspekte müssten aber „verstärkt gehört und berücksichtigt werden“, so Memmer. Besucherströme müssten gezielt gelenkt werden, etwa durch Voraus-Ticketing oder gezieltem Marketing bestimmter Angebote bei gleichzeitigem De-Marketing sensiblerer Gebiete.

Auch Tourismus-Staatssekretärin Susanne Kraus-Winkler (ÖVP) plädiert für ein balanciertes Zusammenleben von Einheimischen und Gästen, will aber gleichzeitig die Akzeptanz von Tourismus fördern. „Mein Schwerpunkt 2024 liegt auf der Stärkung der Tourismusakzeptanz, insbesondere durch die Erlebbarmachung der positiven Aspekte des Tourismus für die lokale Bevölkerung“, so Kraus-Winkler.

 

apa

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