Österreich muss sein Potenzial heben

ÖHV-Präsident fordert bessere Kinderbetreuung und schnelleres Handeln bei der Blauen Karte
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ÖHV-Präsident Walter Veit kritisiert die fehlenden Möglichkeiten der Kinderbetreuung in Österreich

Die Corona-Pandemie hat den Tourismussektor vor große Herausforderungen gestellt. So wurden Mitarbeitende aus der Gastronomie- und Hotellerie-Branche über zwei Jahre an ihre – vor allem finanziellen – Grenzen gebracht. Kein Wunder, dass sich die Menschen in andere Berufe begeben, die nicht nur einen sicheren Arbeitsplatz versprechen, sondern auch von den Arbeitszeiten und -bedingungen für sie vorteilhafter sind.

Die Österreichische Hoteliervereinigung (ÖHV) hat ihre Mitglieder zum Thema Tourismus-Arbeitsmarkt befragt und kam dabei zum Ergebnis, dass die ganze Welt Arbeitskräfte suche, Österreich dabei das Potenzial im eigenen Land mit Konzepten aus dem vorigen Jahrhundert verkommen lasse. So heißt es seitens der ÖHV, dass selbst kleinere Hotels bis zu acht Arbeitszeitenmodelle und größere meist eine zweistellige Zahl bieten würden. Von fünf Wochenstunden bis Vollzeit kann die Hotellerie alles abdecken. Auch die Gehälter setzen zu einem neuen Höhenflug an und attraktive Unterkünfte samt Verpflegung sind die Regel, wenn 9 von 10 Qualität-Hotels um Beschäftigte werben.
Dennoch scheitert die Personalsuche an vermeidbaren Hürden wie Kinderbetreuung.

Fehlende Kinderbetreuung

Die Kinderbetreuung gehe österreichweit an den Bedürfnissen von gut ein Drittel der Berufstätigen vorbei, verweist Walter Veit, Präsident der Österreichischen Hoteliervereinigung. Das sei vielen in der Politik bewusst, aber egal. „Wer nicht 9 to 5 arbeitet, hat es in Österreich schwer“, so Veit. Mit Dienstzeiten nur ein wenig außerhalb des üblichen Rahmens werde man von Politik und Sozialpartnern bei der Vereinbarkeit von Familien und Beruf allein gelassen. „Da rührt keiner ein Ohrwaschel. Das kann es doch nicht sein.“

Zum Leid der Geflüchteten

Besonders allein gelassen werden dabei jene 53.000 Ukrainerinnen, die mit Kindern – aber ohne Väter – ins Land gekommen sind. „Die haben niemanden, der auf die Kinder schaut. Das ist praktisch ein Arbeitsverbot durch die Hintertür“, ärgert sich Veit über die Politik. Es müsse möglich sein, Kindergruppen mit ein oder zwei Elementarpädagoginnen und -pädagogen zu öffnen und aus der Vielzahl der Geflüchteten ukrainisch sprechenden Personen als muttersprachliche Ansprech- und Vertrauenspersonen für die Kinder und den Pädagoginnen und Pädagogen als Unterstützung zur Seite zu stellen. „Damit wäre allen geholfen.“ Zusätzlich appelliert Veit für mehr Tempo bei der Ausstellung der Blauen Karte.

Die zweite Hürde für Geflüchtete ist das Land Kärnten. Es blockiert die Aufhebung der Zuverdienstgrenzen von 110 auf 485 Euro im gesamten Bundesgebiet. Die Begründung: Die Erhöhung müsse für Geflüchtete aus allen Ländern gelten. „Da werden Flüchtlinge in politische Geiselhaft genommen. Das ist kein Ruhmesblatt für die Kärntner Politik“, verurteilt Veit die Blockadepolitik. So würden Menschen auf der Flucht vor dem Krieg in einem fremden Land von der Politik alleingelassen. „Das muss aufhören!“, so der Präsident der Österreichischen Hoteliervereinigung.

PA/ Red.

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