ÖHV-Kongress: Arbeit zu hoch besteuert

Österreich befindet sich in Bezug auf Beschäftigungsabgaben EU-weit aktuell auf Platz zwei
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Bei Umweltsteuern hingegen liegt Österreich im EU-Schnitt ziemlich weit hinten

Fast jeder Österreicher spürt es jedes Monat am eigenen Leib: Die Steuern auf Arbeit sind in Österreich hoch. Und zwar deutlich höher als im EU-Schnitt. „Wir haben eine hohe Abgabenlast auf die Arbeit – vor allem im unteren und mittleren Einkommensbereich“, betont Ökonomin Margit Schratzenstaller vom Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung (Wifo) am gestrigen Dienstag am Hotelierskongress in Wien. Im Vergleich dazu seien die Umweltsteuern trotz einiger Reformen immer noch deutlich zu niedrig.

Auch die Steuerreform 2020-2024 habe bei den Lohnnebenkosten keine Senkung vorgesehen. „Für Dienstleistungssektoren wie den Tourismus ist das natürlich eine besondere Herausforderung“, so die Wifo-Expertin. Die Tourismusbranche beschäftige nämlich sehr viele Frauen und Teilzeitkräfte. Die Gefahr der sogenannten „Teilzeitfalle“ sei demnach extrem hoch. Das bedeutet, dass es sich auf den ersten Blick für Viele nicht lohnt, mehr Stunden zu arbeiten. Aufgrund der Einordnung in eine höhere Steuer-Stufe würde der Staat das zusätzliche Gehalt ohnehin kassieren. Verharrt man deswegen sein ganzes Berufsleben in Teilzeit, zeigt sich die Folge erst viel später in Form niedriger Pensionszahlungen.

Weit über EU-Niveau

„In Österreich spielt die Abgabe auf die Arbeit die mit Abstand größte Rolle“, hielt Schratzenstaller fest. Beim „implizierten Steuersatz“ auf Arbeit, also den gesamten Einnahmen der öffentlichen Hand aus der Arbeit (Dienstgeberbeiträge, Lohnsteuer, Dienstnehmerbeiträge, etc.), liege Österreich in der EU an zweiter Stelle und damit weit über dem EU-Durchschnitt. Höher ist die steuerliche Belastung nach dieser Berechnung nur in Italien. Auf den Plätzen hinter Österreich folgen Deutschland, Frankreich und Ungarn. Auch Steuerreformen scheinen da nicht sonderlich langfristig zu helfen, wie die Steuerexpertin erklärt: „Die Steuern sind konstant hoch in Österreich – ab und zu sinkt diese Belastung bei einer großen Steuerreform, aber sie steigt dann auch wieder, das liegt an der ‚kalten Progression‘, dass dann die effektive Belastung wieder zunimmt.“

„Auch bei den gesamten Abgaben auf die Arbeit bezogen auf die Arbeitskosten in Bezug auf die Einkommenshöhen sehen wir, dass Österreich wieder vorne ist – an dritter Stelle in der EU, hinter Belgien und Deutschland“, sagte die Wifo-Expertin mit Blick auf den Durchschnittsabgabensatz. Dieser Steuer-Durchschnitt sei entscheidend, „ob jemand überhaupt arbeiten geht“. „In allen Einkommensbereichen haben wir sehr hohe Grenzbelastungen – wenn ich mehr arbeite, sind die zusätzlichen Abgaben sehr hoch.“

Die Umweltsteuern in Österreich sind dagegen verschwindend gering. Diese betragen etwa 2,3 Prozent der Gesamtabgaben, womit wir „eher hinten in der EU“ liegen.

Beschäftigungen im Tourismus sinken

Für die Tourismusbranche stellen die Steuern aber aktuell nicht das einzige Problem dar: Der Fachkräftemangel spitzt sich weiter zu. Laut Arbeitsminister Martin Kocher waren im heurigen März rund 9.000 Menschen weniger im Tourismus beschäftigt als noch im vorpandemischen März 2019. Demnach hätten zwischen 2019 und 2021 etwa 38.000 Menschen der Branche den Rücken gekehrt. Zum Vergleich: In den beiden Jahren davor seien es 34.900 gewesen. Es habe sich allein bei den Ausstiegen also „relativ wenig getan“. Problematisch ist jedoch, dass der Tourismussektor zwischen 2019 und 2021 ganze 20.000 Neueinsteiger weniger verzeichnen musste als noch davor. Und zwar „weil eben die Unsicherheit so groß war“.

Die Kurzarbeit sieht Kocher aber dennoch als Auslaufmodell. „Wir werden strenger sein in nächster Zeit, weil die Betriebe das nicht mehr brauchen.“ Über alle Branchen hinweg befänden sich aktuell ingesamt etwa 20.000 Menschen in Kurzarbeit. Für Kocher seien das immer noch zu viele. „7.800 sind jetzt auch noch im April vorangemeldet, aufgrund von fehlenden Großveranstaltungen und fehlenden internationalen Gästen aus Übersee“, berichtete der Minister. „Die Arbeitslosigkeit im Tourismus hat sich verdoppelt.“

Bald beispiellos niedrige Arbeitslosenquote?

Insgesamt waren im vergangenen April etwa 327.000 Menschen arbeitslos gemeldet. Davon befinden sich 72.500 in Schulungen. Das seien weniger als etwa im September 2021 – Tendenz weiter sinkend. „In den nächsten Wochen und Monaten erwarten wir einen weiteren Rückgang, trotz geopolitischer Verwerfungen und der Krise in der Ukraine“, so der Minister. „Die Arbeitslosigkeit wird auf ein Niveau sinken, das fast beispiellos ist.“

APA/Red.

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