Nachhaltigkeits-Standards für Landwirtschaft

Beim Forum Alpbach diskutierten Fachleute Themen rund um nachhaltige Produktion und Ernährung.
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Beim Forum Alpbach haben Fachleute diese Woche auch die (nunmehrigen Wahlkampf-)Themen rund um nachhaltige Landwirtschaft und Ernährung diskutiert. Urs Niggli, Direktor des Schweizer Research Institute of Organic Agriculture (Forschungsintstitut für Biolandbau), sagte, dass Österreich prädestiniert sei für Definition eines Nachhaltigkeitsstandards für die Landwirtschaft.

So könne man zum internationalen Vorreiter werden, so Niggli. Zugleich habe man einen Standard, auf dessen Basis man alle weiteren Entscheidungen treffen könne. Der Standard sollte die Ökologie, das Soziale, die Ökonomie und die Art der Betriebsführung (Corporate Governance) umfassen.

Dass Österreich zu 100 Prozent auf bio umstellen könne, bezweifelte Niggli wegen des relativ hohen Anteils an intensivem Ackerbau. Er betonte aber auch, dass biologische Landwirtschaft alleine keineswegs die Antwort auf alle (Klima- und Ernährungs-)Fragen sein könne. „Nur weil bio erfolgreich ist, sage ich nicht, es ist die einzige Lösung. So wie Chemie nicht alleine die Lösung sein kann.“ Der „Bio-Stachel“ sei aber gut dafür, dass immer wieder ganzheitlich gedacht werde. Auch brauche es bei biologischer Wirtschaftsweise seltener Korrekturmaßnahmen.

Alexandra Brand, Nachhaltigkeitsmanagerin bei der Agrochemiefirma Syngenta in der Schweiz, sagte, dass die Transparenz im Handel und damit in der Landwirtschaft in fünf bis zehn Jahren viel höher sein werde als es derzeit noch vorstellbar sei. Es gebe starke internationale Tendenzen, etwa beim US-Einzelhandelsriesen Walmart oder beim Cornflakes-Hersteller Kellogg’s. Die Verarbeiter bzw. Händler wollten immer mehr wissen von den Produzenten, wegen der Konsumenten. Auch sie glaubt, dass anhand eines Standards entsprechende Zielvorgaben erarbeitet werden können. Das wäre auch für die Forschung von Unternehmen wie Syngenta von Vorteil.

Die Ex-Umwelt-, Agrar- und Tourismusministerin sowie nunmehrige stellvertretende ÖVP-Klubobfrau Elisabeth Köstinger verwies auf die Notwendigkeit für Österreich, den CO2-Ausstoß massiv zu reduzieren – auch wenn „Österreich alleine nicht spielentscheidend“ sei. „Wir haben uns den Klimazielen verpflichtet. Es geht um eine Reduktion in allen Sektoren.“ Für jeden Einzelnen sei es „die effizienteste Klimaschutzmaßnahme, regionale Produkte zu kaufen“. Das sei schmackhaft, steigere die regionale Wertschöpfung und schone das Klima. Sie betonte auch, dass die abgesetzte Regierung in ihren Plänen sehr weit gewesen sei, in öffentlichen Kantinen (Krankenhäuser, Kasernen etc.) eine Herkunftskennzeichnung einzuführen. Das würde auch zu einem groß „Nachzieheffekt“ führen, so Köstinger. In der Gastronomie war zum Beispiel keine verpflichtende Herkunftsangabe geplant, wie das etwa in der Schweiz der Fall ist. Sie bekräftigte auch den Wunsch nach Herkunftskennzeichnungen für die Hauptzutaten von verarbeiteten Produkten wie Wurst.

Marcel Haraszti, der Chef von Rewe International (Billa, Penny, Merkur…), betonte, wie viele „Vorleistungen“ sein Konzern schon getätigt habe. Ohne seine Firma wäre der Bioanteil in Österreich geringer, bewarb er seine Geschäfte. Er sprach sich dagegen aus, alle Details auf Verpackungen zu schreiben. Die genaue Information solle über Plattformen sicher gestellt werden.

Die Tiroler Landesrätin Ingrid Felipe (Grüne) wollte zurück zu dem, was vor langer Zeit einmal konventionell war, also naturnahe Bewirtschaftung – am besten nicht nur in Österreich. Es gäbe die Möglichkeit einer ökosozialen Steuerreform, sagte sie. Einer Selbstversorgung nach Nationalstaaten erteilte sie in einem Europa der Regionen eine Abfuhr. Den Nordtirolern seien beispielsweise Südtiroler Äpfel näher als steirische, argumentierte sie.

APA (phs/rf) / red
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