Mallorca: Sauftourismus übertrumpft Vorkrisenniveau

Die Partymeile auf Mallorca füllt sich wieder mit Leben - die Insel betrachtet „die Saison bereits als verloren, was die Kontrolle der Exzesse angeht“
©unsplash

Viele – vor allem junge – Menschen fliegen nur für exzessive Partynächte am berüchtigten Ballermann nach Mallorca

Mallorca ist bei vielen vor allem für eines bekannt: den Ballermann. Die dort gelegenen Lokale sind einer der beliebtesten Spots für Touristen aus aller Welt zum Feiern. Ganz zum Leid der Einheimischen, die sich immer wieder mit betrunkenen Menschen, Verschmutzungen und Lautstärke mitten in der Nacht herumschlagen müssen. Und nachdem nun zwei Jahre lang pandemiebedingt weitestgehend Ruhe eingekehrt ist, scheint der „Sauftourismus“ in diesem Jahr wieder in seiner vollen Pracht zu strahlen. Laut Einschätzungen der Experten ist er sogar noch schlimmer als vor der Pandemie.

Manche Urlauber kämen gegen 10.00 Uhr in den Hotels an – und um 14.00 Uhr könnten sie schon nicht mehr gehen, zitierte die Zeitung „Última Hora“ Juan Miguel Ferrer, Geschäftsführer einer Initiative für mehr Qualität an der Playa de Palma. Planungssicherheit hätten die ansässigen Unternehmen wenig, da die meisten Urlauber in der Regel nur etwa zehn Tage im Voraus buchen würden. Im Durchschnitt bleiben sie dann drei oder vier Nächte und geben täglich nur 30 bis 40 Euro aus. Das meiste davon für Alkohol. Ferrer klagt, dass die Touristen noch um 4 Uhr nachts exzessiv feiern würden und dabei keine Rücksicht auf die Anwohner nehmen. Einige von ihnen brüllen gar durch Megafone, die unerklärlicherweise weiterhin frei verkauft werden. Besonders problematisch: Teilweise werden betrunkene Urlauber einfach von ihren Freunden auf der Straße liegen gelassen.

„Wir betrachten die Saison bereits als verloren, was die Kontrolle der Exzesse angeht“, zitierte die „Mallorca Zeitung“Ferrer. Bis vor nur wenigen Wochen hatte sich der Geschäftsführer eigentlich noch zuversichtlich gezeigt. Corona habe nämlich einen ganz neuen Typ Urlauber angezogen, der weniger Wert auf Partys und mehr Wert auf gutes, regionales Essen sowie einen nachhaltigen Urlaub gelegt habe. Die letzten Wochen haben gezeigt, dass das wohl aber doch nur an den vorübergehend geschlossenen Lokalen lag, die den Urlaubern das exzessive Feiern erschwerten. Als diese mit 10. Mai wieder öffneten, war es vorbei mit der bis dahin positiv scheinenden neuen Entwicklung, bedauert Ferrer: „Kaum waren die großen Partytempel wieder geöffnet, wurde dieser neue Typ Urlauber vom alten Feierpublikum verdrängt. Seither leiden wir unter der Ankunft großer Gruppen von Touristen, die nur darauf aus sind, sich auf den Straßen, an der Strandpromenade oder am Strand zu betrinken.“ Nun appelliert Ferrer an die Polizei, die strengeren Regeln auf den Straßen strikter durchzusetzen.

APA/Red.

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