Lufthansa-Personal fordert vom Management Abkehr vom „Sparwahn“

Personalvertreter schickten Brief an Aufsichtsrat - Ende des Sparkurses und des aus ihrer Sicht herrschenden Missmanagements gefordert
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Die Personalvertretung von Lufthansa fordert, dass die Geschäftsführung Rahmenbedingungen schaffen müsse, damit alle Mitarbeitenden der Fluggesellschaft wieder zu maximaler Leistung bereit wären

Die Personalvertretungen der AUA-Mutter Lufthansa haben in einem Brandbrief an den Aufsichtsrat ein Ende des Sparkurses und des aus ihrer Sicht herrschenden Missmanagements gefordert. Der Aufsichtsrat müsse auf eine konstruktive Personalführung hinwirken, bei der Wertschätzung „nicht in Floskeln endet, sondern auch so gemeint und gelebt wird“, heißt es in einem Brief an das Gremium, der Reuters am Mittwoch vorlag.

Die Geschäftsführung müsse Rahmenbedingungen schaffen, damit alle Mitarbeitenden der Fluggesellschaft wieder zu maximaler Leistung bereit wären. Der Aufsichtsrat tagt auf Antrag der Arbeitnehmerseite in einer Sondersitzung, um über die angespannte Lage mit Personalmangel, Streichungen oder Verspätungen von Flügen zu beraten. Die Personalräte von Beschäftigten am Boden, in Cockpit und Kabine werfen dem Management vor, ein imageschädigendes Flugchaos durch zu harten Personalabbau selbst mit verursacht zu haben. Die Lufthansa wollte zu dem Brief keine Stellung nehmen.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr verweist als Ursachen für das derzeit herrschende Flugchaos in erster Linie auf Probleme der Flughäfen und Bodendienste. Er entschuldigte sich kürzlich dafür, dass die Lufthansa selbst an der ein oder anderen Stelle zu viel gespart habe. Die Mitarbeitervertretungen zeichnen indes ein verheerendes Bild der Lage bei der Airline. Fast überall sei nach dem Stellenabbau, zu dem sich die Lufthansa wegen des Geschäftseinbruchs in der Coronakrise gezwungen sah, zu wenig Personal an Bord für die starke Geschäftserholung in diesem Sommer. Der Ärger über das Management ist dem Schreiben zufolge groß: Seit Jahren sei das Verhältnis des Konzernvorstandes zu seinen Beschäftigten belastet und nach Kündigungsdrohungen nachhaltig beschädigt.

In dem Brief lehnen sich die Repräsentanten der Beschäftigten gegen den Sparkurs auf, den das Management mit Blick auf ein Renditeziel von mindestens acht Prozent bis 2024 verfolgt. Dafür sollen 1,8 Milliarden Euro Personalkosten eingespart werden, wovon ein Großteil schon umgesetzt ist. Personalvertreter und Gewerkschaften sollten „zur Kapitulation gezwungen werden“, um die Kosten zu drücken, warfen die Personalvertreter dem Management vor. „Gerade das angeblich viel zu teure Personal hat in der Vergangenheit alle durch den Sparwahn hervorgerufenen Missstände ausgebügelt und vor dem Kunden kaschiert“, hieß es in dem Brief weiter. Dazu sei das Personal nicht mehr in der Lage. „Ein Dienstleistungsunternehmen, welches in dieser Art und Weise gegen das eigene Personal geführt wird, hat keine Zukunft.“

 

APA/Red.

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