Kälbermast-Pilotprojekt in Salzburg

Mit Herkunftszertifikat soll das heimische Kalbfleisch nun auch vermehrt in der Gastronomie angeboten werden.
© Simon Blüthenkranz auf Pixabay

Heimisches Kalb

In der Debatte um Tiertransporte hat Salzburgs Agrarlandesrat Josef Schwaiger (ÖVP) seine Forderung an den Bund nach Erhöhung des Mindestalters bei Kälbern von 14 auf 30 Tage bekräftigt. In Zukunft sollte durch eine funktionierende Kühllogistik aber kein Schlachttier in Europa auf die Reise geschickt werden. In Salzburg läuft ein Pilotprojekt zur Vollmilch-Kälbermast, um Exporte zu reduzieren.

Mit dem „SalzburgerLand Herkunfts-Zertifikat“ werden regionale Produkte in Salzburg für den Konsumenten sichtbar gemacht. „Im zertifizierten Kalbfleisch steckt zu 100 Prozent Salzburg drinnen“, sagte Schwaiger am Freitag (28.2.2020) bei einer Pressekonferenz in Salzburg. Das Kalb wurde im Bundesland geboren, gemästet und geschlachtet. Dadurch würden Langstreckentransporte verhindert. Im Mai 2019 hatte die Landwirtschaftskammer mit Unterstützung des Landes dazu ein Pilotprojekt gestartet. Bis Ende März 2020 werden rund 150 Kälber von 29 Landwirten beim regionalen Projektpartner Ablinger geschlachtet. Bisher landete das Kalbfleisch noch vermehrt in Würsten.

Gastronomen und Gäste wollen Infos zur Herkunft

Das Projekt wird von der österreichischen Höheren Bundeslehr- und Forschungsanstalt Raumberg-Gumpenstein wissenschaftlich begleitet. „Nur eine verstärkte Nachfrage nach heimischen Kalbfleisch wird zu einer Mast im eigenen Land und dadurch zu weniger Exporten mit Nutzkälbern führen“, sagte Salzburgs Landwirtschaftskammerpräsident Rupert Quehenberger. Mit dem Salzburger Herkunftszertifikat soll das heimische Kalbfleisch nun auch vermehrt in der Gastronomie angeboten werden.

Mehr als 71 Prozent des in Österreich verzehrten Kalbfleisches stamme aus dem Ausland, „es ist billiger und heller“, sagte Quehenberger. In Europa werden laut Schwaiger jährlich 4,5 Millionen Kälber geschlachtet, 31 Prozent davon in den Niederlanden und 28 Prozent in Frankreich. Rund 56.000 Schlachtungen von Kälbern gebe es in Österreich, die doppelte Menge komme geschlachtet im Import ins Land.

Die stärkere Rötung des österreichischen Kalbfleisches zeuge von einer artgerechten Fütterung mit Rohfaser nach den gesetzlichen Vorgaben, erläuterten Schwaiger und Quehenberger. Ist das Fleisch weiß, sei das Tier nicht artgerecht gefüttert worden. Die beiden hoffen, dass Konsumenten allgemein sowie der Gastronom und sein Gast vermehrt kritische Fragen nach der Herkunft des Produktes stellen. „Wir müssen vor den Vorhang holen, wie die Kälber in Österreich aufgezogen werden“, sagte Quehenberger.

Wirtschaftliche Herausforderungen

Der Preisunterschied stellt die heimischen Betriebe allerdings noch vor wirtschaftliche Herausforderungen. Damit die Produktion eines Milchmastkalbes im Inland kostendeckend ist, müssten die Erzeugerpreise pro Kilogramm Schlachtgewicht um 2,20 Euro im konventionellen Bereich und um 2,70 Euro bei Biofleisch teurer sein, erläuterte Quehenberger. „Damit könnten die Bauern leben, dann ist es wirtschaftlich darstellbar.“ Pro Kalb fehlten etwa 200 bis 250 Euro. Ein gentechnikfreies Produkt müsse aber einen entsprechenden Preis haben, „sonst werden wir es nicht schaffen“.

Der Kälbertransport sei kein regionales, sondern ein österreichweites Thema, gab Quehenberger zu bedenken. Die Rinderzucht in Österreich stehe in der Verantwortung zu der Frage, „wie gehen wir mit dem Thema um, wenn wir tatsächlich heimische Qualität wollen“.

Schwaiger ergänzte, es seien zunächst legistische Hausaufgaben zu erfüllen, zum Beispiel wenn es um das Mindestalter bei Tiertransporten und um Wegstrecken geht. Er führe dazu intensive Gespräche mit den zuständigen Ministerien. Vor zehn Monaten habe er noch Gelächter geerntet, es habe geheißen, seine Forderungen würden nicht der Marktrealität entsprechen. Jetzt seien die Gespräche ernsthafter geworden, schöpfte Schwaiger Hoffnung. 14-Tage alte Kälber dürften nicht mehr auf die Reise geschickt werden, das Gesundheitsministerium habe bisher aber auf europäisches Recht verwiesen. Zudem wären Live-GPS-Daten und Vorabinformationen über Transportrouten notwendig, um Kontrollen noch wirkungsvoller durchführen zu können.

APA/red

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