Grüne wollen Pflicht-Herkunftskennzeichnung des Essens auch beim Wirt

Anschober präsentierte Verordnungsentwurf, der mit Koalitionspartner ÖVP verhandelt werden soll.
© Pixabay

Die Grünen argumentieren mit einer großen Mehrheit in der Bevölkerung, die wissen wolle, was konkret auf den Teller kommt.

Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne), der auch für den Konsumentenschutz zuständig ist, hat einen Verordnungsentwurf für eine transparentere Herkunftskennzeichnung bei Lebensmitteln fertig und will diesen mit dem Koalitionspartner ÖVP beraten. Die Grünen haben auch vor, verpflichtende Herkunftsangaben in der Gastronomie umzusetzen. Diese Idee sieht Anschober mit dem Koalitionsabkommen gedeckt, in dem von einer Umsetzung in der Gemeinschaftsverpflegung die Rede ist. Man will auch Vorreiter in der EU sein.

Die ÖVP sprach bisher immer davon, dass in der Gastronomie eine Freiwilligkeit bei den Angaben herrschen sollte. „Der gesamte Bereich ist von der österreichischen Rechtsordnung umfasst“, sagte hingegen Anschober am Donnerstag bei einer digitalen Pressekonferenz. Es gehe um Kantinen, öffentliche Küchen, Schulen, Betreuungseinrichtungen „bis hin zu Restaurants und Catering“, verwies er auf die bestehende Lebensmittelinformationsverordnung. Die ÖVP stand bisher in der Gastronomie für Freiwilligkeit bei Herkunftsangaben. Anschober geht aber „zuversichtlich in die Gespräche“ mit der Kanzlerpartei, weil dank des Regierungsprogramms seiner Ansicht nach die Gastronomie mitumfasst sei. Gekennzeichnet werden soll die Herkunft von Fleisch, Milch und Eiern.

Es gehe um mehr Regionalität, Qualität und Tierschutz

Wichtig sei aber auch, dass Österreich jetzt Vorreiter in der EU sei, in der sogenannten Farm to Fork (sinngemäß: Vom Bauernhof auf den Teller)-Strategie, die in den nächsten Jahren umgesetzt werden soll.

Im Verordnungsentwurf der Grünen findet sich auch der Punkt für einen Lückenschluss in den Lieferketten, also im Business-to-Businessbereich. Dabei geht es darum, dass die Gastronomen aufgrund der Angaben, die sie erhalten, überhaupt die Möglichkeit haben, die Herkunft ihrer Produkte darzustellen. Das soll in den vorgelagerten Bereichen aber auf freiwilliger Ebene geschehen, so Anschober. Bei verpackten Lebensmitteln soll die Herkunft von Milch und Eiern künftig angegeben werden müssen. Die Angaben zu Primärzutaten sollen strenger und weiter streng geprüft werden.

Man wähle bewusst „diesen offensiven Weg“, so Anschober. Denn bei dem Vorschlag gibt es viel Abstimmungsbedarf mit Brüssel. „Viele ist offen, wir wollen Vorreiter sein, der die Stimme der Bürger aufgreift“, sagte die grüne EU-Politikerin Sara Wiener. „Eine Herkunftskennzeichnung ist gerade in der Gastronomie einfach zu bewerkstelligen, wenn man frisch und einfach kocht“, sagte die Gastronomin. Gestärkt werde dadurch auch die regionale Wirtschaft, die Vielfalt und der Geschmack.

Der große Koalitionspartner ÖVP will zwar auch genauere Herkunftsangaben, sprach bezogen auf die Gastronomie aber stets von einer notwendigen Freiwilligkeit. Die Nahrungsmittelindustrie ist strikt gegen Herkunftsangaben, die über die derzeit gültigen EU-Vorgaben hinausgehen. Das gefährde den Sektor in Österreich.

 

APA/red

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