Grenzen beim Umweltschutz

Eine Vorschau, was auf Touristiker in der Wintersaison 2019/20 zukommt.
© pixabay

Nach einem schneereichen Winter im Vorjahr hoffen die Touristiker auch in der kommenden Saison auf Frau Holles Segen. “Aktuell ist die Auslastung fĂŒr Weihnachten leicht positiver als im Vorjahr. Wir schauen der Saison durchaus mit Hoffnung entgegen, dass wir das Vorjahr erreichen”, so die Chefin der Österreich Werbung (ÖW), Petra Stolba, in einem PressegesprĂ€ch am 12. November. Beim Umweltschutz stoßet die Branche an ihre Grenzen.
Nachhaltigkeit und Klimaschutz sind derzeit in aller Munde, nicht zuletzt dank der jungen schwedischen Aktivistin Greta Thunberg. Wintertourismus ist mit seinen Seilbahnen, Beschneiungsanlagen und PistengerĂ€ten ein ressourcenintensives VergnĂŒgen. FĂŒr Kritik und KopfschĂŒtteln sorgt auch heuer wieder das Schneeband in KitzbĂŒhel, wo auf der eigentlich noch grĂŒnen Piste konservierter Schnee vom vergangenen Winter bandförmig aufgetragen wird, damit schon im Oktober Ski gefahren werden kann.

Das Problem der Anreise

Vor allem die Anreise in die Wintersportgebiete schlage zu Buche, “da kommen wir an unsere Grenzen”, rĂ€umt der Obmann der Seilbahnbranche, Franz Hörl, bei einem PressegesprĂ€ch ein. Die belastende Verkehrssituation sorge auch bei den Einheimischen fĂŒr zunehmenden Unmut. 85 Prozent der Wintersporttouristen reisten noch immer mit dem Auto an.
Eine der grĂ¶ĂŸten Herausforderungen sei, den GĂ€sten das Zug- und Busfahren schmackhaft zu machen, so Hörl. Entsprechende Angebote unter anderem mit den ÖBB wĂŒrden ausgelotet, in den Regionen wĂŒrden inzwischen sogar eigene “MobilitĂ€tsberater” eingesetzt, die sowohl bei den Hoteliers als auch bei den GĂ€sten AufklĂ€rungsarbeit leisteten. “Das Thema GepĂ€ck ist eines der HauptgrĂŒnde, warum es nicht funktioniert”, sagte Hörl. Skidepots sollen dazu beitragen, dass GĂ€ste ohne GepĂ€ck und zu Fuß zu den Talstationen gelangen und auf das Auto verzichten können. Laut Hörl arbeitet ein Großteil der Seilbahnunternehmen bereits mit erneuerbarer Energie.
In die kommende Wintersaison haben die Seilbahnbetriebe in Summe 754 Mio. Euro investiert, knapp die HĂ€lfte in Infrastruktur, den Rest in Beschneiungsmaßnahmen und technische Weiterentwicklungen (150 Mio. Euro) oder andere Ausgaben wie Eintrittsysteme, PistengerĂ€te und Gastronomie (196 Mio. Euro). Die Seilbahnbranche beschĂ€ftigt rund 17.000 Menschen direkt und weitere etwa 109.000 indirekt durch Partner und Dienstleister.

Leichte Anpassung der Preise

Die Skipasspreise wĂŒrden auch heuer wieder im Ausmaß der Inflation steigen, sagt Erik Wolf, GeschĂ€ftsfĂŒhrer des Fachverbandes der Seilbahnen. Der Preis fĂŒr eine Tageskarte ĂŒbersteigt in vielen Skigebieten bereits die 50-Euro-Marke, was jedes Jahr fĂŒr Kritik des Vereins fĂŒr Konsumenteninformation (VKI) sorgt. Die Seilbahnbranche verweist auf hohe Investitionen und steigende Personal- und Energiekosten.
Österreich ist einer der WeltmarktfĂŒhrer bei alpinem Skifahren. Im Vorjahr stiegen die NĂ€chtigungen im Winter österreichweit um 1,5 Prozent auf 72,9 Millionen. Die Zahl der GĂ€ste erhöhte sich um 2,9 Prozent auf 20,4 Millionen. FĂŒr Österreich hat der Wintertourismus mit UmsĂ€tzen von zuletzt 14,1 Mrd. Euro nach wie vor eine grĂ¶ĂŸere Bedeutung als der Sommertourismus, der im Vorjahr 13,3 Mrd. Euro brachte.

Vieles hÀngt von Wetter ab

Fast 40 Prozent der NĂ€chtigungen kamen aus Deutschland. Nach einem leichten RĂŒckgang der Übernachtungszahl im Winter 2018/19 um 0,7 Prozent auf rund 26,9 Millionen erwartet ÖW-Chefin Stolba fĂŒr die kommende Saison ein Ă€hnliches Niveau. Vieles hĂ€nge vom Wetter ab, sagte sie. FĂŒr deutsche Urlauber sei Österreich gut mit der Bahn erreichbar und das Angebot werde ausgebaut.
Auch die NĂ€chtigungen von Touristen aus der Schweiz (-1,9 Prozent), Großbritannien (-0,2 Prozent) und Russland (-7,3 Prozent) waren im vorigen Winter rĂŒcklĂ€ufig. Briten wĂŒrden zwar nicht grundsĂ€tzlich auf den Skiurlaub verzichten, aber bei den UnterkĂŒnften und der Aufenthaltsdauer sparen, wird erwartet. Österreich ist nach Frankreich das zweitbeliebteste Wintersportziel der Briten.
Mit einer guten Entwicklung rechnet die Österreich Werbung bei GĂ€ste aus den Niederlanden, dem zweitwichtigsten Auslandsmarkt hinter Deutschland. Schon im Winter 2018/19 stiegen die NĂ€chtigungen dieser GĂ€stegruppe um 3,2 Prozent auf 6,3 Millionen. Die positive wirtschaftliche Entwicklung in Osteuropa stimmt die Touristiker positiv, zumal vermehrt GĂ€ste aus Polen, Tschechien und Ungarn kommen. Auch bei russischen Urlaubern dĂŒrfte eine bessere Konjunkturlage die Lage verbessern.

APA (kan/kre) / red
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