Eher ZurĂĽckhaltung als Euphorie

Gastro-Ă–ffnung: Wenig Cafe-Besucher am ersten Vormittag nach Corona-Sperre.
© Unsplash

Nur vereinzelt Kaffeehausbesucher, leere Gastgärten, SchnĂĽrlregen: Der Neustart der Gastronomie hat am Freitagvormittag (15.05.20) in Wien nicht zuletzt wegen des schlechten Wetters ein eher tristes Bild abgegeben. „Es herrscht eher ZurĂĽckhaltung als Euphorie“, fasste Cafe-Landtmann-Chef Berndt Querfeld folglich im APA-Gespräch die Stimmung zusammen. Die Branche versucht sich dennoch in Optimismus.

Im normalerweise so gut wie stets vollen Landtmann berichtete Querfeld gegen Mittag von einer Auslastung um die 25 Prozent: „Es ist sehr ĂĽberschaubar.“ Neben dem Regenwetter, das die Leute nicht unbedingt zum Rausgehen animiere, glaubt der Cafe-Inhaber auch, dass sich die meisten Menschen fĂĽr den ersten Gastro-Tag nach der zweimonatigen coronabedingten SchlieĂźung einen Abendtermin vereinbart haben: „Das wird sich aber wandeln, weil am Wochenende geht man eher FrĂĽhstĂĽcken ins Kaffeehaus.“ Und auch die fĂĽr das Wochenende prognostizierte RĂĽckkehr des FrĂĽhsommers gibt Hoffnung – denn: „Die Leute wollen drauĂźen sitzen“ – nicht zuletzt deshalb, weil man sich in Corona-Zeiten an der frischen Luft sicherer fĂĽhle.

„Abwarten, ob sich Ă–ffnung rechnet“

Die Familie Querfeld betreibt neben dem Landtmann noch eine Reihe anderer Lokale in der Bundeshauptstadt. Man habe alle Standorte aufgesperrt, berichtete der Unternehmer. Vor allem die vorrangig von Touristen frequentierten Standorte in der Hofburg oder in Schönbrunn seien vorerst aber nur in kleinem Rahmen wiedereröffnet worden. Ein Vollbetrieb wĂĽrde sich hier nicht rechnen – Nachsatz: „Ob sich die anderen rechnen, wissen wir noch nicht.“

Das werden sich derzeit wohl viele Lokalbetreiber in Wien fragen. Ein Lokalaugenschein der APA zeigte am Vormittag jedenfalls alles andere als einen Run auf die wiedereröffneten Cafes und Lokale. Am Naschmarkt, wo auch unter der Woche gern gefrĂĽhstĂĽckt wird, herrschte mit Ausnahme einzelner Tische gähnende Leere. Ein ähnliches Bild zeigte sich im Traditionskaffeehaus Sperl oder im hippen Cafe-Buchshop-Hybriden „phil“ gegenĂĽber. Auch im Museumsquartier, wo die diversen Gaststätten die verordnete Pause beendet haben, waren gegen 11 Uhr in drei inspizierten Lokalen gezählte zwei Gäste anwesend.

Wirtschaftskammer feiert „groĂźen Tag“

Die offiziellen Branchenvertreter in der Wiener Wirtschaftskammer zeigten sich am Freitag dennoch bemĂĽht, gute Stimmung zu machen. „Heute ist ein groĂźer Tag“, freute sich Gastro-Obmann Peter Dobcak in einer Pressekonferenz. In den zwei Monaten Stillstand habe sich gezeigt: „Der Wirt ist ein integraler Bestandteil unserer Stadt.“ Nach der Corona-Sperre werde man wohl noch mehr geschätzt als zuvor, zeigte er sich ĂĽberzeugt. Seinen Optimismus stĂĽtze er auf eine kĂĽrzlich veröffentlichte Kammer-Umfrage, wonach vier FĂĽnftel der Befragten angaben, ins Gasthaus gehen zu wollen. Die Wienerinnen und Wiener seien „ganz wild darauf, uns zu besuchen“.

FĂĽr die nächsten Tage rechnet Dobcak tatsächlich mit viel Besuchern in den Wirtshäusern und Beisln. Das werde dann aber wohl abflachen. Trotzdem warnte er die Branche vor einer Preisschlacht: „Das wäre ruinös.“ Im Gegenteil: Laut Umfrage hätten viele Menschen sogar Verständnis fĂĽr etwaige Preiserhöhungen.

Kaffeeesieder-Obmann Wolfgang Binder sprach von einer nicht euphorischen, aber doch positiven Stimmung unter der Kollegenschaft. Wobei sich einige Kaffeehausbetreiber entschlossen hätten, erst später oder ĂĽberhaupt erst nach dem Sommer wieder aufzusperren – wie etwa der bekannte Bräunerhof in der Innenstadt. Und fĂĽr die rund 200 Espressi sei die Lage ebenfalls sehr schwierig. Hier hofft Binder auf Lockerungen des Bundes Ende Mai, sodass der Schankbetrieb wieder aufgenommen werden kann.

Wieviel Lokalbetreiber die Krise nicht ĂĽberleben werden, trauten sich die Kammerfunktionäre nicht abzuschätzen. Trotz des Endes des gastronomischen Stillstands stĂĽnden aber noch einige Herausforderungen bevor – etwa wenn im Juni die doppelten Gehälter fĂĽr die Beschäftigten fällig werden oder in einigen Monaten, wenn ĂśberbrĂĽckungskredite abbezahlt werden mĂĽssen.

 

APA/Red

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