Forderung zur Förderung

Steuer kommt danach – dann ist es für viele zu spät.
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Ab 15. Mai sind Restaurants wieder offen

Es hört sich schon sehr gut an. Wenn die Regierung gemeinschaftlich auftritt – und mit Bravour, Grandezza und Schulterschluss – und groß ankündigt, was jetzt gemacht wird, um unsere Gastronomen zu retten. Also fangen wir mit dem kleinsten Punkt an: Mit dem Wegfall der Schaumweinsteuer.  Das soll dem Vernehmen nach 26 Millionen Euro bringen.  Das heißt im Klartext: Wenn ein Euro pro Flasche fällig ist, dann saufen die Österreicher 26 Millionen Flaschen im Jahr (oder 2,96 pro Mann und Maus). Worauf soll die Gastronomie jetzt hoffen? Auf eine Steigerung des Dulliöh? Es kann ja nicht sein, dass dem Alkohol zugeneigte Personen die Gastronomie retten sollen. Alkoholiker können nicht der Rettungsanker für Gastwirte sein.

Der zweite Punkt ist die Reduktion der Mehrwertsteuer auf nichtalkoholische Getränke von 20 auf 10 Prozent. Das heißt im Klartext, dass hier ein gewisses Agio entsteht, das für den kleinen Betrieb gar nicht so stark durchschlagen wird. Die Gastronomen freuen sich zwar darüber, beziffern aber die monatliche Ersparnis in einem Betrieb mit nur etwa 5.000 Euro. Das Kalkulationsmodell funktioniert so: Der Endpreis eines Getränks setzt sich aus den Warenkosten, den Personalkosten, den Deckungsbeitrag (das zusammen reicht einmal für die Kostendeckung, ist noch kein Gewinn!), dem Gewinnaufschlag und der Mehrwertsteuer zusammen. Wenn also ein Glas Almdudler 3,20 € kostet, beträgt die Mehrwertsteuer bis 30. Juni 64 Cent, ab 1. Juli 32 Cent. Der Wirt erspart sich also bei diesem Rechenbeispiel nur 32 Cent. Das ist natürlich nicht gerade der Burner, um es zeitgemäß zu formulieren.

Dazu kommen Änderungen bei der Pauschalierung – vor allem die Mobilitätspauschale für Dorfwirtshäuser wird von zwei auf sechs Prozent erhöht -, Steuerfreiheit bei Essensgutscheinen bis acht Euro und die Absetzbarkeit von Geschäftsessen bis zu 75 Prozent (bisher 50 Prozent).

Allen diesen Verbesserungen, die durchaus nobel, vernünftig und sinnvoll sind, ist eines gemein: Sie fallen in den Bereich Steuer. Und das Geheimnis von Steuer ist, dass sie erst nachher kommt. Dass steuermäßig am Jahresende bei der Bilanz, also wenn tabula rasa unter das heurige Jahr 2020 gemacht wird, abgerechnet wird. Das Problem – und das dürfte die Regierung entweder nicht gesehen haben oder nicht sehen wollen – ist, dass die Betriebe  j e t z t  Geld brauchen. Dass sie von der Hand in den Mund leben, und sofortige Unterstützung benötigen. Dass viele von den Klein- und Kleinstbetrieben nicht einmal die Moneten, die Knete, das Kleingeld, das Zaster, die Penunse, die Mücken haben, um jetzt die dringend benötigten Waren einzukaufen. Gar nicht auszudenken, wenn jetzt die 13. Gehälter auszuzahlen sind.

Daran krankt es. Und dafür hätte es eine Lösung geben müssen. Gibt es aber nicht.

Fazit: Ich lehne mich jetzt mit einer Prophezeiung heraus, die man sich beim genauen Überlegen definitiv auf der Zunge zergehen lassen kann. In der Gastronomie wird garantiert jeder sechste Betrieb sterben. In der Hotellerie und im Beherbergungsgeschäft bin ich überzeugt, dass einer von zehn Betrieben die Krise nicht überleben wird und entweder das Zeitliche segnen wird, aufgibt oder die Immobilie günstig auf den Markt wirft, wo sie von irgendwelchen Immobilienhaien inhaliert wird. Bei den Reisebüros sehe ich die Sache am Schlimmsten: Wenn die Hälfte diese Krise überstehen wird, können wir uns allesamt glücklich schätzen. Und noch etwas zum Schluss dieses Kommentars: Da ist die Rede von Milliardenpaketen, von 38 Milliarden Euro, von Zig-Millionen da, von 26 Milliarden dort, und ich weiß nicht was noch alles. Mein Problem: Irgendwann wird jeder irgendjemand in diesem Land kennen, der stinksauer ist, weil ihm Unterstützung versprochen wurde, selbige aber einfach noch nicht eingelangt ist. In meinem Fall, ich kenne viele, bei denen es so ist, und zwar schon seit etlichen Wochen.

Ihr Christian W. Mucha

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