Flugsicherung: Am deutschen Himmel wird es schon wieder eng

Probleme bei benachbarten Flugsicherungen und der Ukraine-Krieg sorgen für unerwartete Engpässe im deutschen Luftraum
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Die in Deutschland registrierten 1,2 Millionen Flugbewegungen nach Instrumentenregeln im ersten Halbjahr 2022 entsprechen 76 Prozent des Vorkrisenniveaus aus dem Jahr 2019

Der Luftverkehr schien sich gerade zu erholen, da fallen die nächsten Probleme ins Haus: Am deutschen Himmel wird es nämlich schon wieder eng für den Flugverkehr. Ein „rasanter“ Anstieg der Flüge sowie externe Einflüsse haben laut der Deutschen Flugsicherung (DFS) dafür gesorgt, dass in einzelnen Sektoren des Luftraums bereits mehr los ist als vor dem Ausbruch der Pandemie. Dabei seien vor allem die Wochenenden herausfordernd, da diese durch die angestaute Nachfrage nach Ferienflügen Probleme mit sich bringen.

„Das sind Verkehrsspitzen, mit denen so keiner gerechnet hatte“, sagte DFS-Chef Arndt Schoenemann am Mittwoch in Langen bei Frankfurt. Bereits jetzt wirkt sich der dichte Verkehr auf die Pünktlichkeit der Flüge aus. Nach Eurocontrol-Zahlen betrug die durchschnittliche Verspätung der Flugzeuge im deutschen Luftraum im Juni 24 Minuten, wovon 4,4 Minuten beziehungsweise 14 Prozent der Flugsicherung zugerechnet wurden. Für das erste Halbjahr bezifferte Schoenemann den Verspätungsanteil seiner Lotsen auf zwei Minuten. 26 Prozent der Juni-Verspätungen gingen auf das Konto der Airlines und 46 Prozent entstanden durch Sekundäreffekte, wenn vorherige Zeiteinbußen nicht mehr eingeholt werden konnten und sich vergrößerten. „Das System Luftverkehr steht im Moment stark unter Druck. Wir als DFS leisten unseren Beitrag für einen möglichst pünktlichen und reibungslosen Flugverlauf“, sagte der DFS-Chef.

Die in Deutschland registrierten 1,2 Millionen Flugbewegungen nach Instrumentenregeln im ersten Halbjahr 2022 entsprechen 76 Prozent des Vorkrisenniveaus aus dem Jahr 2019. Schoenemann rechnet im Laufe des Jahres mit einem weiteren Anstieg, sodass für das Gesamtjahr 85 Prozent erwartet werden. Er sagte: „Wir sehen einen rasanten Verkehrsanstieg nach der Coronakrise. Es geht bergauf – sehr viel steiler, als wir erwartet haben.“

Weitere Störfaktoren

Neben der hohen Nachfrage wirken mehrere Faktorenn auf den Luftraum. Insbesondere der vom Center Karlsruhe überwachte Luftraum oberhalb von 7,5 Kilometern wird stark für Überflüge genutzt, weil in mehreren Nachbarländern die Lotsenkapazitäten gesunken sind. Im unteren Luftraum gibt es hingegen immer noch deutlich weniger Verkehr als in den Jahren vor Corona.

Die Luftraumsperren über Russland und Belarus erzwingen für tausende zivile Flüge erhebliche Umwege und schränken zudem den Luftraum im Osten der EU ein. Zum anderen ist die französische Flugsicherung in diesem Sommer wegen einer Systemumstellung vorübergehend nicht voll einsatzfähig. Auch die kurzfristig freizuräumenden Korridore für die häufigeren Militärflüge mindern die Leistungsfähigkeit des Luftraums. Personal hat die DFS während der Coronaflaute nicht abgebaut.

Erhöhte Preise

Der Luftverkehr über Deutschland war im vergangenen Jahr nach dem Coronatief 2020 nur leicht um 14,3 Prozent gewachsen. 1,67 Millionen Starts, Landungen und Überflüge bedeuteten eine Verkehrsdichte, wie sie zuletzt im Jahr 1991 beobachtet worden war. In der Folge hat die DFS ihre Gebühren angepasst. Während Überflüge im laufenden Jahr sieben Prozent günstiger wurden, werden bei An- und Abflügen in Deutschland 67 Prozent höhere Gebühren fällig, die im Zweifel von den Airlines auf die Tickets umgelegt werden.

Nach Instrumentenregeln fliegen zivile Fracht- und Passagierjets sowie Militärmaschinen. Sie werden von Lotsen in übergeordneten Centern und in den Towern der Flughäfen überwacht und geleitet.

 

APA/ Red.

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