Flugausfälle in Salzburg: Eurowings versucht Schaden zu begrenzen

Hohe Nachfrage, zu wenig Personal: "Sondersituation" macht bei vielen Airlines Anpassungen im Flugplan notwendig
©unsplash

Die Flugstreichungen in Salzburg am Wochenende waren Corona-Infektionen geschuldet

Nach den Flugausfällen der Lufthansa-Tochter Eurowings am vergangenen Wochenende am Flughafen Salzburg ist die Fluglinie um Schadenbegrenzung bemüht. Trotz aktuell schwieriger Bedingungen wolle man weitere kurzfristige Streichungen von Verbindungen unter allen Umständen verhindern, betonte Eurowings-Europe-Geschäftsführer Stefan Beveridge in einer Pressekonferenz des Flughafens Salzburg am Mittwoch. Ganz würden sich Flugausfälle aber wohl nicht ausschließen lassen.

„Die Branche befindet sich derzeit in einer einmaligen Sondersituation. Auf der einen Seite herrscht große Nachfrage der Kunden.“ Auf der anderen Seite seien in der Corona-Pandemie Flieger und Crews weitgehend am Boden geblieben – noch weit in das erste Quartal 2022 hinein. „Die Crews konnten weniger trainieren. Sie müssen aber im Linienbetrieb Erfahrung sammeln.“

Eurowings habe im vergangen Jahr 750 Crewmitglieder eingestellt, bis ins nächste Jahr hinein sollen es noch einmal so viele sein. „Es fehlt damit weniger an Piloten für das Cockpit und an Flugbegleitern, sondern an den Trainingsflügen, die es braucht, um das Personal flugfit zu machen. Dieses Problem wird über den Sommer noch anhalten“, erklärte Beveridge.

Zugleich hätte die Luftfahrt in der Pandemie über alle Bereiche hinweg Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verloren – egal ob bei den Airlines, in der Flugsicherung, der Abfertigung, bei den Sicherheitskontrollen oder im Groundhandling. „Probleme in einem dieser Bereiche haben Auswirkungen auf die anderen Bereiche.“ In dieser Situation komme es – und das betreffe nicht nur Eurowings oder Salzburg – in Einzelfällen zu Belastungsspitzen, die man nicht mehr kompensieren könne.

Dies sei am vergangenen Wochenende in Salzburg der Fall gewesen, wo Eurowings sechs Flüge streichen musste. „Es hat am Vorabend der Abflüge einen kurzfristigen Anstieg der Krankmeldungen gegeben, wesentlich getrieben durch steigende Corona-Infektionen. Die Reserve-Crews waren davon genauso betroffen“, sagte Beveridge, der selbst auch für die Eurowings-Maschinen pilotiert. „In so einem Fall kommt man rasch an seine Grenzen.“

Als Folge mussten am vergangenen Wochenende in Salzburg bis zu 500 Menschen auf dem Boden bleiben, betroffen waren etwa die Verbindungen nach Korfu oder Lamezia Terme in Kalabrien. Die Gäste konnten zum Teil erst mit einem Ersatzflug ab/bis München durch TUI-Fly am Folgetag an ihr Reiseziel bzw. zurück nach Hause gebracht werden. Der Flughafen Salzburg ist mit drei stationierten Maschinen die größte Basis der Eurowings in Österreich.

Beveridge entschuldigte sich heute bei den Fluggästen für die Unannehmlichkeiten. „Wir sind von 0 auf 15.000 Flüge im Monat hochgefahren. Da ist noch kein 100-prozentig regulärer Betrieb möglich.“ Seit Anfang April habe man alleine von und nach Salzburg über 1.000 Flüge durchgeführt – und lediglich sieben Streichungen verzeichnet. „Die Anpassungen im Flugplan, wie das bei zahlreichen Airlines in Europa derzeit der Fall ist, erfordern, dass in Verkehrsspitzen Last aus dem System genommen wird. Dadurch wird es wieder zur einer Normalisierung der Lage kommen.“

Konkret heißt das, dass es Änderungen im Flugplan geben wird. Die Anpassungen würden jedoch deutlich weniger als 10 Prozent der Eurowings-Gäste betreffen, versicherte der Sprecher der Fluglinie, Matthias Eberle. Er nannte als Beispiel den Flughafen Düsseldorf, von wo die Airline etwa bis zu zehn Mal am Tag nach Mallorca fliege. „Anpassung würde in diesem Fall heißen, dass der Flug nur neun Mal geht und die Gäste idealerweise im nächsten Flieger sitzen.“ Betroffene würden so früh und rasch wie möglich informiert – idealerweise bereits mit einer schnellen Umbuchungsmöglichkeit im Lufthansa-Netz. „Dass Urlauber hängen bleiben, wollen wir vermeiden. Das wird auch nur in den seltensten Fällen passieren.“

Apropos Personalengpass: Der Flughafen Salzburg betonte am Mittwoch, für den Sommer gut aufgestellt zu sein. Airport-Geschäftsführerin Bettina Ganghofer räumte aber ein, dass die Crew nach zwei Jahren Kurzarbeit, Lockdowns und unberechenbaren Reiseregeln noch nicht ganz eingespielt sei. „Es gibt Probleme und es fehlen Hände, aber nicht in dem Maße, wie das bei anderen europäischen Flughäfen der Fall ist.“ Von den rund 150 zusätzlichen Aushilfen, die man über den Sommer beschäftige, fehle derzeit noch ein Drittel. Daneben sei auch das Stammpersonal geringer geworden, weil Mitarbeiter in den Ruhestand oder in eine Branche ohne Kurzarbeit gewechselt seien.

APA/Red.

Gefällt Ihnen der Beitrag?
Facebook
Twitter
LinkedIn
Telegram
WhatsApp
Email