Die Spaghetti-Causa

Die Restaurantkette Vapiano steckt tief in den roten Zahlen. Und soll nun unter neuem Vorstand saniert werden.
© Adobe Stock/Lightfield Studios

Die schwer angeschlagene Gastronomiekette Vapiano liefert eine Hiobsbotschaft nach der anderen. Zuerst die Verlautbarung über Verluste von 101 Millionen Euro bei einem Umsatz von 372 Millionen Euro, dann der überraschende Abgang von Chef Cornelius Everke.

Geplant war, dass dieser die 2002 gegründete Kette sanieren sollte. Nach nur neun Monaten verließ er aber im August 2019 plötzlich das Unternehmen. „Das vergangene Jahr war eine Enttäuschung für uns, nun blicken wir aber nach vorne – die Finanzierung ist bis 2022 gesichert“, verlautete der ehemalige Vorstandsvorsitzende noch kurz vor seinem Abgang gegenüber der Deutschen Presse-Agentur in Köln und gab zu: „In der Vergangenheit haben wir uns bei der Auslandsexpansion etwas verhoben, aber die Marke Vapiano ist nach wie vor erfolgreich.“ Mitte August 2019 kam dann die unerwartete Nachricht des Rücktritts. In der offiziellen Mitteilung hieß es, der Vapiano-Chef sehe das Unternehmen „in der derzeitigen Phase des strategischen Übergangs gut aufgestellt.“ Er sei zugleich aber zu der Erkenntnis gelangt, dass er seine Erfahrung und Kompetenz aus persönlichen Gründen „auf absehbare Zeit nicht im geplanten Umfang zum Wohle der Gesellschaft einbringen kann.“ Gegenüber der Tageszeitung Die Presse betonte das Unternehmen, dass der Rücktritt „hundertprozentig“ freiwillig geschehen sei und die Sanierung trotzdem fortgesetzt werde. In Österreich werden 17 Standorte mit 450 Mitarbeitern betrieben. Das Geschäft mit Pizza und Pasta geht aber auch hier nicht auf. Laut Kurier schuldete die Wiener Tochter dem Mutterkonzern 2017 28,3 Millionen Euro. Um eine Überschuldung nach dem Insolvenzrecht zu verhindern, musste der Kölner Konzern 1,3 Millionen Euro zuschießen.  

Neue Strategien

Um Schadensbegrenzung zu betreiben und das Unternehmen wieder auf Kurs zu bringen, wurde nun die erfahrene Saniererin Vanessa Hall ins Boot geholt. Unter der interimistischen Führung der Britin soll die Restaurantkette neu ausgerichtet und bis zum Jahr 2021 wieder profitabel gemacht werden. Zeitgleich zur Neuvergabe des Chefsessels wurde nun auch endlich der Halbjahresbericht 2019 veröffentlicht, der aufgrund erhoffter Finanzspritzen in Form von Filialverkäufen und Kreditzusprüchen mehrfach verschoben wurde. Hall, die zuvor an der Spitze des Aufsichtsrats saß, spricht in einer Stellungnahme dazu strenge Worte: „Unsere Halbjahreszahlen bestätigen uns darin, zügig unsere Gästeloyalität zu verbessern und unsere Like-for-Like Umsätze zu steigern. Die Zeit, die in die Umstrukturierung des Unternehmens investiert wurde, sowie die damit verbundenen Kosten haben die Gesellschaft von ihren wesentlichen Aufgaben abgelenkt.“ 

In ihrer neuen Funktion als Vorstandsvorsitzende will sie den Fokus auf den Wiederaufbau der Vapiano-Erfolgskultur in Form von langfristiger Profitabilität, Konzentration auf europäische Kernmärkte und Franchising-Strategien legen. „So erwarten wir, einen positiven Free Cashflow ab 2020 und den Break-Even bis 2021 zu erreichen“, erklärt die neue CEO ihre Strategien und bleibt positiv. „Der enttäuschenden Entwicklung in Deutschland steht das deutliche Umsatzwachstum im Segment Rest of Europe von 15,2 Prozent auf 102 Millionen Euro gegenüber, das von Restauranteröffnungen in Frankreich und Österreich geprägt ist“, kommentierte die neue Vapiano-Chefin die Halbjahreszahlen gegenüber der Presse.

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