Die Sommerbilanz

Die Corona-Krise hat den Sommertourismus auch in Österreich massiv beeinträchtigt. Doch es gibt nicht nur Verlierer: Manche Regionen konnten sogar profitieren. Was sich im Sommer bereits abzeichnete, steht jetzt in harten Zahlen.
© Martin Krake

Kärnten konnte im Corona-Sommer profitieren: 2,8 Prozent mehr Nächtigungen im August, über 42 Prozent mehr Inlandstouristen

Ende September veröffentlichte die Statistik Austria eine vorläufige Bilanz für den Tourismus in Österreich bis einschließlich August 2020. Die Monate April und Mai zeigen mit Rückgängen zwischen 90 (Mai) und 97 Prozent (April) wie erwartet kaum mehr als eine grinsende Null, interessant sind aber die Zahlen für die sommerliche Hochsaison. Der Schlüsselmonat August zeigt im Jahresvergleich (August 2020 gegenüber August 2019) bei den Nächtigungen insgesamt einen Rückgang von 11,2 Prozent (17.916.5000 gegenüber 20.194.700) – das ist weniger, als man angesichts einer derart einschneidenden Krise erwarten sollte. Österreich ist also in der Sommersaison mit einem blauen Auge davongekommen, denn andere Länder hat es weitaus schlimmer getroffen: So wurde etwa aus Kroatien ein Minus von 36 Prozent im August berichtet.

Ein Blick auf die Herkunftsländer der Übernachtungsgäste in Österreich zeigt deutlich, dass es vor allem eine starke Zunahme des Inlandstourismus war, die einen totalen Absturz verhindert hat. Die Nächtigungszahl österreichischer Gäste stieg (wieder im Monatsvergleich August 2020 gegenüber August 2019) um ganze 22 Prozent. Auch der wichtigste ausländische Herkunftsmarkt, Deutschland, zeigt ein Plus, wenn auch nur ein schwaches mit 2,8 Prozent. 

Dem stehen signifikante Rückgänge bei den meisten anderen Herkunftsländern gegenüber. Ein paar Beispiele: Niederlande -18,9 Prozent, Belgien -28,1 Prozent, Italien -58,1 Prozent, Großbritannien -85,7 Prozent. Besonders katastrophal war der Einbruch bei den für viele Destinationen wichtigen asiatischen Gästen: Deren Nächtigungszahl ist um satte 98 Prozent zurückgegangen. Bei den Asiaten zeigt sich also nahezu ein Totalverlust, nicht viel besser sieht es bei US-Amerikanern mit -91,5 Prozent aus.

Große regionale Unterschiede

Auch die Unterschiede zwischen den österreichischen Bundesländern sind erheblich und entsprechen den eben dargestellten Verschiebungen in den Herkunftsmärkten. So konnten Regionen, die für Inlandsurlauber attraktiv sind, teilweise sogar ein (wenn auch kleines) Plus verbuchen, während Regionen mit traditionell überwiegend ausländischem Publikum erhebliche Einbrüche hinnehmen mussten. 

Im Vergleich der Bundesländer erwischte es Wien mit einem Minus von 71 Prozent am schlimmsten. Hier wurde die starke Abhängigkeit von ausländischen Gästen zur Falle: So hatte Wien etwa im Tourismusjahr 2019, als alles noch normal lief, 79 Prozent ausländische Gäste, von denen wiederum viele aus nichteuropäischen Ländern kamen. Selbst deutsche Touristen machen in Wien einen weitaus geringeren Anteil aus als in den ländlichen Regionen Österreichs. So konnten hier im heurigen Sommer weder die inländischen noch die deutschen Gäste irgendetwas retten – zumal auch diese 2020 wenig Lust auf einen Trip in die Bundeshauptstadt hatten.

Unter den übrigen Bundesländern ist die Bilanz sehr unterschiedlich: Größter Gewinner ist das Burgenland mit einem Plus von 6,8 Prozent, auch die Steiermark (+4,1 Prozent) und Kärnten (+2,2 Prozent) konnten von der Corona-Krise profitieren, wenn auch nur schwach. Alle übrigen Bundesländer hatten Rückgänge zu verzeichnen: Vorarlberg kam mit -0,5 Prozent glimpflich davon, deutlicher waren die Verluste in Tirol (-7,1 Prozent), in Salzburg (-10,6 Prozent) und in Oberösterreich (-11,4 Prozent). Größter Verlierer unter den Flächenländern ist Niederösterreich mit -18,4 Prozent.

Inlandstourismus stark gestiegen

Interessant ist auch im Bundesländervergleich der Blick auf die Herkunft der Gäste: Betrachtet man nur die Nächtigungen österreichischer Besucher, verzeichnen alle Bundesländer bis auf Wien ein Plus, das teilweise erheblich ausfällt. Großer Gewinner im Match um die Inlandstouristen ist Kärnten, das hier mit einem Plus von satten 41,9 Prozent glänzend dasteht. Auch Salzburg (+37,6 Prozent), Tirol (+28,0 Prozent), Vorarlberg (+25,7 Prozent), die Steiermark (+22,0 Prozent) und das Burgenland (+21,2 Prozent) verzeichneten deutliche Zuwächse bei österreichischen Gästen. Vom Boom des Inlandstourismus nicht wirklich profitieren konnte dagegen Niederösterreich mit einem vergleichsweise schwachen Zuwachs von 1,9 Prozent. Wien wurde auch von den Österreichern weitgehend gemieden: -37,8 Prozent bei den inländischen Übernachtungsgästen in der Hauptstadt.

Von Martin Krake

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