Debatte um Löhne in der Luftfahrt

Deutscher Verkehrsminister: Unattraktiver Lohn „möglicherweise Teil des Problems“. Airports hoffen auf Branchentarifvertrag.
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Airlines und Airports sollen Löhne erhöhen

Der deutsche Verkehrsminister Volker Wissing plädiert angesichts des Personalmangels an Flughäfen und bei Airlines für attraktivere Arbeitsbedingungen in der Branche. Nötig seien Beschäftigte, die die Aufgaben wie etwa Gepäckabfertigung und Sicherheitskontrolle wahrnehmen könnten.

„Deswegen haben wir eine Verantwortung dafür, dass die Arbeitsbedingungen so gestaltet werden, dass sie möglichst attraktiv sind, und gleichzeitig, dass die Personen angemessen bezahlt werden“. Unattraktiver Lohn sei „möglicherweise Teil des Problems“, erklärte der Minister. „Deswegen muss man sich auch mit der Frage beschäftigen, wie geht man mit der Bezahlung um.“

Die Arbeitgeberseite reagierte zurückhaltend. Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) erklärte, bei den Bodenverkehrsdiensten, etwa der Gepäckabfertigung, handle es sich um tariflich ausgehandelte Löhne und Gehälter. „Diese werden selbstverständlich im Rahmen der Tarifautonomie weiterentwickelt.“

Der Flughafenverband ADV betonte, Airports und private Arbeitgeber stünden mit den Gewerkschaften kurz vor dem Abschluss eines Branchentarifvertrages. „Der stellt für alle Lohngruppen eine einheitliche und faire Bezahlung sicher“, sagte ADV-Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel. Zur Beschäftigungssicherung während der Coronapandemie hätten sich die meisten Flughäfen auf einen Notlagen-Tarifvertrag mit den Gewerkschaften geeinigt und so betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen.

Nach Ansicht des Arbeitgeberverbands der Bodenabfertigungsdienstleister im Luftverkehr (ABL) greift es zu kurz, nur auf die Vergütung zu schauen. „Die Arbeitsbedingungen sind kein Zuckerschlecken“, sagte ABL-Chef Thomas Richter der Nachrichtenagentur Reuters. Es handle sich um schwere körperliche Arbeit im Schichtdienst – also früh morgens, nachts und am Wochenende. „Der Flughafen, der als strahlender Stern früher hell geleuchtet hat, zieht heute nicht mehr so als attraktiver Arbeitsplatz.“ Der Arbeitsmarkt sei einfach leer. „Wir brauchen hier Zuwanderung, vielleicht zeitlich befristet.“

Viele Branchen setzen auf Besserung durch ein geändertes Einwanderungsgesetz der deutschen Ampelkoalition. Die Bundesregierung will der Luftfahrt vorerst mit beschleunigten Verwaltungsverfahren helfen, sodass befristet angestellte Hilfskräfte etwa aus der Türkei an den Flughäfen einspringen können. Sie sollen etwa bei der Gepäckabfertigung und beim Check-in aushelfen. Die Branche hofft auf 1.500 bis 2.000 Personen, die großenteils wohl ab August zum Einsatz kommen könnten. Dies dürfte allerdings für das Feriengeschäft vieler Flughäfen schon zu spät sein.

Die deutsche AUA-Muttergesellschaft Lufthansa will mit verbesserten Abläufen und mehr Kommunikation die aktuellen massiven Störungen im Flugverkehr bekämpfen. „Das wird zur Stabilisierung der Lage führen“, erklärte Lufthansa-Vorstand Harry Hohmeister in Frankfurt. Flugstreichungen könnten nur Symptome bekämpfen, aber nicht die Ursachen der Ausfälle und Verspätungen. Die Lufthansa und ihre Schwester-Airlines mussten bereits Tausende Flüge im Sommer aus dem Programm streichen. Denn im Luftverkehr ist an vielen Stellen nicht genug Personal da, um den von der Branche erhofften und erwarteten Reiseboom zu bewältigen.

 

apa

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