Brexit könnte Briten ausbremsen

Pfundverfall verteuert den Urlaub.
© Ross Papas Unsplash

„Gro√übritannien und der Brexit ber√ľhren uns auch touristisch betrachtet“, erkl√§rte Branchensprecherin Petra Nocker-Schwarzenbacher am Donnerstag. Es gebe √Ąngste seitens vieler Unternehmen. Der EU-Ausstieg der Briten k√∂nnte zweifach durchschlagen – zum einen verteuert der Pfundverfall den Urlaub in √Ėsterreich, zum andern arbeiten hier rund 1.000 britische Staatsb√ľrger im Tourismus.

Diese Zahl erfasse nur die Briten, die in der Gastronomie und als Skilehrer t√§tig sind – noch nicht enthalten sei der Handel, also der Skiverleih. Die Branche, die sich ohnehin schwertut alle Stellen zu besetzten, zittert nun um wertvolle Arbeitskr√§fte. „Wir m√ľssten unser Saisonnierskontingent aufbl√§hen“, so die Obfrau der Bundessparte Tourismus und Freizeitwirtschaft in der Wirtschaftskammer √Ėsterreich.

Derzeit sind 1.263 Arbeitnehmer aus Nicht-EU-L√§ndern dank des Saisonnierkontingents erlaubt. „Das sind 0,5 Prozent der Gesamtbesch√§ftigten im Tourismus, also √ľberschaubar“, betonte Nocker-Schwarzenbacher vor Journalisten in Wien. Doch allein die Briten w√ľrden das gesamte Kontingent aufbrauchen. Sie hofft auf eine politische „Sonderl√∂sung“ und w√ľnscht sich eine „ordentliche Saisonnierszahl“. Dabei denkt die Branchenvertreterin an eine Verdoppelung auf gut 2.500 Arbeitskr√§fte aus Drittstaaten. „Dann h√§tten wir 1 Prozent der Besch√§ftigten.“

Doch nicht nur die Arbeitskr√§fte, sondern auch die britischen Urlauber sind bereits ein wichtiger Faktor f√ľr die Branche. 2018 erfolgten 3,8 Millionen N√§chtigungen durch Touristen aus dem Vereinigten K√∂nigreich. Die G√§stezahl hat sich in den vergangenen zehn Jahren um 21 Prozent erh√∂ht.

B√ľrokratische Hemmnisse wie etwa eine Visumpflicht, eine H√∂chstaufenthaltsdauer oder neue Zollbestimmungen k√∂nnten die Reiselust der Briten in Richtung EU k√ľnftig d√§mpfen. „Das ist im Prinzip der R√ľckschritt.“ Ob das dann jeder britische Urlauber auf sich nimmt, oder einen anderen Markt wie etwa Australien, Neuseeland oder Kanada bevorzugt, muss sich erst weisen. „Wir hoffen, dass es eine ’sanfte Landung‘ gibt“, erg√§nzte Nocker-Schwarzenbacher im Hinblick auf die EU-Austrittsbedingungen f√ľr die Briten. Ein „No-Deal-Szenario“, also einen ungeregelten Brexit, h√§lt sie aktuell aber f√ľr „unwahrscheinlich“.

Sorge bereitet der Branche die massive Abwertung der britischen Landesw√§hrung gegen√ľber dem Euro. Einer Studie der Bank of England (BoE) zufolge k√∂nnte das Pfund in den Jahren nach dem Brexit bis 2023 um weitere 25 Prozent fallen, die Inflation um 6,5 Prozent steigen und das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 8 Prozent schrumpfen.

Insgesamt seien die touristischen Auswirkungen in √Ėsterreich aber „√ľberschaubar“, so Nocker-Schwarzenbacher. Der Brexit werde „regional sehr unterschiedlich“ sp√ľrbar sein. Als Briten-Hochburg in √Ėsterreich gilt etwa St. Anton am Arlberg.

APA (kre/kan) / red
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