Ansprüche der Reisenden steigen

Studie zeigt: Tourismus sollte individuellen Luxus pflegen.
© Anna Rauchberger

Podiumsdiskussion des Travel Industry Club Austria, v.l.n.r. Horst Mayer, Generaldirektor Grand Hotel Wien, Elsbeth Wallnöfer, Philosophin und Volkskundlerin, TIC-Präsident Harald Hafner, Josef Peterleithner, Österreichischer ReiseVerband, Wolfgang Lackner, Europäische Reiseversicherung

Wahrer Luxus zeichnet sich durch das Besondere aus, das Nicht-Alltägliche im Meer der Vielfalt. Doch jeder Mensch definiert Luxus anders. Die Tourismusbranche muss darauf reagieren, außergewöhnliche Erlebnisse bieten – und das trotz ständig sinkender Preise. Die große Herausforderung besteht darin, jedem Reisenden ein möglichst individuelles und einzigartiges Angebot zu schnüren, so das Resümee einer Podiumsdiskussion des Travel Industry Club Austria Anfang Dezember im Grand Hotel Wien.

„Luxus ist nichts Verwerfliches. Es ist das menschliche Begehren nach höherem Status, nach dem Abheben von alltäglichen Banalitäten. Es ist die Lust, vor anderen zu glänzen und erfüllt seine wahre Wirkung nur im öffentlichen Raum. Luxus provoziert, erweckt Neid und Begehrlichkeit. Luxus kann aber auch einfach nur die Folge des Strebens nach Qualität, Schönheit und höchster handwerklicher Finesse sein“, meinte Elsbeth Wallnöfer, Philosophin und Volkskundlerin in ihrem Einleitungsstatement.

Absage der „McDonaldisierung“

Der Tourismusbranche rät Wallnöfer dringend, der heute so allgegenwärtigen „McDonaldisierung“ eine Absage zu erteilen. „So bieten zu viele Hotels die immer gleiche Erfahrung, sie haben den ‚Glanz des Besonderen‘ verloren“, gibt sie zu bedenken. Wirklicher Luxus bedeute hingegen, dass jeder einzelne Gast das Gefühl vermittelt bekommen soll, genau das bekommen zu haben, was er wollte. Die Qualität liege hier im Detail“, si die Philosophin.

Josef Peterleithner, Präsident des Österreichischen ReiseVerbands, sieht dies ähnlich. „Luxus ist eine Frage der Sichtweise“, sagt er. „Jeder Gast hat ganz unterschiedliche Anforderungen, die Reiseindustrie muss darauf eingehen. Wichtig ist, dass man eine besondere Erfahrung nicht im Internet findet, sondern in ein Reisebüro gehen muss. Nur so bekommen Reisende eine individuelle Beratung, und ein Erlebnis, das genau auf sie zugeschnitten ist.“

Keine Besser- und Schlechterbehandlung

Horst Mayer, Generaldirektor des Grand Hotel Wien, warnte allerdings davor, einzelne Kunden besser zu behandeln als andere. Die Individualisierung der Reiseindustrie dürfe nicht in ein übersteigertes VIP-Denken ausarten. „Völlig egal, wer der Gast ist, alle müssen gleich gut behandelt werden. Entscheidend ist, dass Mitarbeiter den Gästen gegenüber Empathie zeigen. Bei uns dürfen sie auch mit dem Gast scherzen. Das ist heute auch ein Luxus in der Hotelbranche“, gab Mayer zu verstehen.

Laut Wolfgang Lackner, Vorstandsvorsitzender der Europäischen Reiseversicherung, muss sich die Tourismusbranche auf starke Veränderungen bei den Anforderungen von Reisenden einstellen. Durch die zunehmende Leistbarkeit des Reisens weltweit steht eine gewaltige Flut an neuen Touristen aus Asien, Südamerika und Afrika bevor. „Früher war Reisen für die meisten Menschen per se Luxus. Heute ist es fast schon ein Grundbedürfnis. Der Begriff ‚Luxus‘ unterliegt daher auch einer historischen Entwicklung – je mehr Wohlstand sich entwickelt, desto höher werden die Ansprüche“, so der Reiseversicherungsexperte.

pressetext.com / red

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