AK sieht Arbeitskräftemangel in Gastro und Hotellerie hausgemacht

Die Arbeitnehmervertretung bemängelt niedrige Löhne und geringe Arbeitszufriedenheit. Die ÖHV weist die Vorwürfe entschieden zurück.
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Arbeitnehmer und Arbeitgeber streiten um die richtige Behandlung der Mitarbeiter

Die Arbeiterkammer sieht die Personalproblematik in der Gastronomie und Hotellerie großteils hausgemacht. Als „bequeme Ausrede“ für die hausgemachten Probleme diene der vermeintliche allgemeine Fachkräftemangel, kritisierte AK-OÖ-Präsident Andreas Stangl. Gründe seien hingegen niedrige Löhne und Gehälter, eine geringe Arbeitszufriedenheit, die höchste Quote an Lehrabbrüchen und viele Verstöße gegen das Arbeitsrecht.

Insgesamt 44,6 Prozent der Lehrlinge in diesem Bereich würden die Lehre vorzeitig abbrechen oder nicht positiv abschließen. Das Medianeinkommen in Österreich sei 2020 bei 2.435 Euro brutto im Monat gelegen. Beschäftigte in der Gastro- und Hotelbranche hätten hingegen 2020 ein Medianeinkommen von 1.650 Euro brutto gehabt, zeigt eine Analyse der AK.

Beim Arbeitsklimaindex der Arbeiterkammer kommen die Gastro- und Hotelbranche regelmäßig nicht besonders gut weg. Zeit- und Arbeitsdruck sowie schlechte Gesundheitsbedingungen werden demnach als belastend gesehen. Die im Gastronomie- und Tourismusbereich üblichen Arbeitszeiten mit häufigen Nacht- bzw. Wochenenddiensten erschweren die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben. Auch die fehlende Planbarkeit von Dienstzeiten macht den Beschäftigten zu schaffen.

„Eine Themenverfehlung der Sonderklasse“ kontert ÖHV-Generalsekretär Markus Gratzer die Vorwürfe. Die ÖHV arbeite intensiv an Lösungen für aktuelle Herausforderungen. „Grundfalsch sind die immergleichen Schuldzuweisungen, mit denen die AK pauschal eine Branche anschwärzt und ihren Pflichtmitgliedern die Arbeit vergällt. Oberösterreich hat Vorzeigebetriebe im Tourismus mit hochmodernen Arbeitszeit- und Vergütungsmodellen samt E-Autos für Mitarbeiter. Die ÖHV forciert und propagiert das, holt diese Parade-Unternehmen beim bundesweiten ÖHV-Kongress als best practice auf die Bühne, damit sie Nachahmer finden“, so der Generalsekretär.

Arbeitsminister Martin Kocher habe beim ÖHV-Kongress anhand aktueller Daten aufgezeigt, dass auch in der Krise nicht mehr Menschen die Branche verlassen haben und mit dem Ende der Corona-Wirren würde auch die Zahl der Neueintritte sich wieder stabilisieren.

Dazu käme eine im internationalen Vergleich extrem hohen Abgabenquote von 42,5 Prozent, die besonders durch Abgaben auf Arbeit finanziert werde. Laut WIFO-Analyse liege diese bei 41,7 Prozent. Das ist der zweithöchste Wert in der EU, deutlich über dem Durchschnitt der EU28 von 34,2 Prozent. „Setzen wir da an, sehen wir zu, dass die Österreicher wieder mehr in die eigene Tasche statt ins System arbeiten. Die AK könnte einen Anfang machen, ihre Pflichtbeiträge reduzieren und so sinnlose Studien gleich als erstes einsparen“, so Gratzer.

 

apa/red

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